Portal für Politikwissenschaft

Wirtschaft zwischen Demokratie und Verbrechen

Hans See

Wirtschaft zwischen Demokratie und Verbrechen. Grundzüge einer Kritik der kriminellen Ökonomie

Frankfurt a. M.: Nomen Verlag 2014; 480 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-939816-04-1
„Die kriminelle Ökonomie ist eine Materie, die – ob man sich mit ihr befasst oder nicht – in den kommenden Jahrzehnten zunehmend die Gesellschaften um ihren Schlaf bringen wird.“ (28 f.) Hans See, bis 1999 Professor für Politikwissenschaft, Sozialpolitik und Wirtschaftskriminologie an der Fachhochschule Frankfurt am Main, widmete einen großen Teil seines wissenschaftlichen Lebens und sozialen Engagements dieser Materie. Texte aus über 30 Jahren Schaffenszeit zeichnen in diesem Band sein intellektuelles Curriculum nach. Es bieten sich Einblicke in seine Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Wirtschaftskriminalität im Kontext der politischen Systeme, den Erscheinungsformen sowie den Auswirkungen für die modernen Gesellschaften. Dieses Forschungsfeld, das selbst in der politischen Linken lange Zeit kaum Aufmerksamkeit erhielt, wurde dabei von Hans See maßgeblich mitbestimmt. Über die Kritik der politischen Ökonomie hinaus ist es sein Ziel, eine weitergehende Kritik der kriminellen Ökonomie zu beschreiben und theoretisch zu erfassen. Ein Beispiel: Demokratiefreie Chefetagen – als kriminogenes Milieu – können ganze Gesellschaftssysteme gefährden, denn „Wirtschaftsverbrechen zerstören am Ende alle Verfassungen – ja sie bedrohen selbst jenes demokratisch legitimierte System, das ihnen am weitesten entgegenkommt, die freie Marktwirtschaft“ (149). Dabei gelte es nicht nur die sozialschädliche und demokratiefeindliche Systemlogik zu entlarven, sondern auch Gegenstrategien zu formulieren. Dazu gehörten – so eine Kernthese – allerdings keine hypertrophen Forderungen nach Gesetzesverschärfungen und Strafsanktionen, vielmehr sei die Etablierung wirksamer wirtschaftsdemokratischer Kontrollsysteme für eine sozial‑ und rechtsstaatlich adäquate Regulierung zielführend. Wie sich das Spannungsfeld aus Wirtschaftskriminalität, organisiertem Verbrechen und Politik sowohl historisch als auch in Zeiten der Globalisierung gestaltet, wird dank der herausragenden akademischen Expertise des Verfassers, gespeist aus empirischen Erkenntnissen, gut verständlich.
René Neumann, M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.352.3312.32.24.43 Empfohlene Zitierweise: René Neumann, Rezension zu: Hans See: Wirtschaft zwischen Demokratie und Verbrechen. Frankfurt a. M.: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38334-wirtschaft-zwischen-demokratie-und-verbrechen_46602, veröffentlicht am 23.04.2015. Buch-Nr.: 46602 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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