Portal für Politikwissenschaft

Sicherheitskulturen im Vergleich

Arnd Bauerkämper / Natalia Rostislavleva (Hrsg.)

Sicherheitskulturen im Vergleich. Deutschland und Russland / UdSSR seit dem späten 19. Jahrhundert

Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2014; 257 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-506-77721-8
Arnd Bauerkämper und Natalia Rostislavleva haben es sich in diesem Band gemeinsam mit deutschen und russischen Historiker_innen zur Aufgabe gemacht, im Sinne einer interdisziplinär und vergleichend angelegten historischen Sicherheitsforschung die Gemeinsamkeiten, Unterschiede und den Wandel der deutschen und russischen Sicherheitskulturen zu untersuchen. Ausgehend von Christopher Daases Konzept der Sicherheitskultur, demzufolge „Sicherheitsprobleme von einflussreichen Adressatengruppen wahrgenommen, definiert und akzeptiert werden“ (25) und so politisches und gesellschaftliches Handeln motivieren, begeben sie sich auf die Suche nach Wahrnehmungen, Werten und Praktiken von Sicherheit, die zusammengenommen gesellschaftliche und politische Gefahren und die ihnen gegenüber zu wählenden Antworten definiert haben. Bereits in seinem einleitenden Beitrag macht Bauerkämper auf eine historische Gemeinsamkeit zwischen Deutschland und (Sowjet‑)Russland aufmerksam: in beiden Staaten sei – und dies im Unterschied beispielsweise zu den USA – „staatlichen Institutionen seit dem 19. Jahrhundert ein hoher Stellenwert bei der Gefahrenabwehr zugewiesen worden“ (11). Unter Hinweis auf die Spannung zwischen staatlicher Sicherheitspolitik und individueller Freiheit konstatiert Bauerkämpfer demgegenüber jedoch, dass sowohl Deutsche als auch Russen im 20. Jahrhundert gegenüber „den ‚von oben’ verordneten, emotional begründeten Sicherheitsregimes ihre Ansprüche auf individuelle Freiheiten“ (24) zum Ausdruck gebracht hätten, es aber nur in der demokratisch‑pluralistischen Gesellschaft zu einem offenen Konflikt um die Balance zwischen staatlichen Sicherheitsimperativen und individuellen Freiheiten gekommen sei. Christine Hikel vergleicht mit den Debatten um die politisch motivierten Morde an Matthias Erzberger und Walter Rathenau 1921/22 und die Anschläge der Roten Armee Fraktion (RAF) im Jahr 1977 die historischen Konzepte von „Ruhe, Ordnung und Sicherheit“ (91). Hierdurch sollen die Sicherheitskulturen der beiden deutschen Republiken beleuchten werden. Gemeinsam ist beiden Fällen demnach ein „Bewusstsein der Zeitgenossen, sich in einer Phase der Krise und der Unsicherheit zu befinden“ (105), und die Verwendung (vermeidlicher) historischer Gefährdungen der politischen Ordnung zur Legitimation staatlichen Sicherheitshandelns. Die Hälfte der 14 Beiträge ist in russischer Sprache verfasst und konnte daher lediglich anhand der ihnen vorangestellten deutschsprachigen Zusammenfassungen gesichtet werden. Die Beiträge basieren auf Vorträgen, die auf der Konferenz zum Thema im März 2012 in Moskau gehalten wurden.
Christian Patz, M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.12.622.212.232.3112.3132.3142.3152.353.15.2 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Arnd Bauerkämper / Natalia Rostislavleva (Hrsg.): Sicherheitskulturen im Vergleich. Paderborn u. a.: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38329-sicherheitskulturen-im-vergleich_46514, veröffentlicht am 23.04.2015. Buch-Nr.: 46514 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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