Portal für Politikwissenschaft

Die Neubestimmung der Privatheit

Hermann Hill / Utz Schliesky (Hrsg.)

Die Neubestimmung der Privatheit. E-Volution des Rechts- und Verwaltungssystems IV

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (Verwaltungsressourcen und Verwaltungsstrukturen 26); 267 S.; brosch., 69,- €; ISBN 978-3-8487-0948-9
Wer das Internet nutzt, gibt unweigerlich die eigene Privatsphäre preis, schreibt Utz Schliesky und sieht „diese neue technische Form der Verkollektivierung in einer virtuellen Öffentlichkeit [… als] vermutlich eines der dringendsten Probleme der gesellschaftlichen Auswirkungen der digitalen Möglichkeiten“ (14). Muss also angesichts der fortschreitenden Digitalisierung der Gesellschaft der rechtliche Schutz der Privatheit neu justiert werden? Diese Frage war Gegenstand einer Tagung des wissenschaftlichen Gesprächskreises „E‑Volution des Rechts‑ und Verwaltungssystems“, die im Januar 2013 in Kiel stattfand und mit diesem Band dokumentiert ist. Erörtert werden aktuelle Trends der Modernisierung sowie die dadurch neu entstandenen Kontexte von Privatheit – etwa wenn sie durch Prozesse des „Open Government“ (19) gefährdet oder von Internetkonzernen als „‚Währung im Netz’ ge‑ oder missbraucht“ (20) wird. In den Beiträgen wird aus unterschiedlicher Perspektive aufgezeigt, in welcher Weise das Beziehungsgeflecht von Staat, Gesellschaft und Individuum durch diese Entwicklungen herausgefordert ist. Heinrich Amadeus Wolff beschäftigt sich mit der verfassungsrechtlichen Relevanz der Unterscheidung von Staat und Gesellschaft und diskutiert, ob dieses Begriffspaar durch die virtuelle Welt eine neue Dimension erhält. Kai Lewinski konkretisiert diese Frage am Thema Open Data Government und zeigt die damit bewirkten Verschiebungen innerhalb der Gesellschaft auf. Ergänzend bietet Johannes Caspar eine Zwischenbilanz des Hamburgischen Transparenzgesetzes, das „neue Standards für den allgemeinen Zugang zu öffentlichen Dokumenten“ setzt, dabei aber „eine Reihe von Auslegungsfragen auf[wirft]“ (121). Hermann Hill setzt sich allgemein mit dem Sinn von Transparenz auseinander und gibt zu bedenken, dass vollständige Transparenz nicht „automatisch mehr Sozialität im Sinne eines neuen Verständnisses von gesellschaftlichem (Zusammen‑)Leben bewirkt.“ (255) Insgesamt leuchtet der Band die Komplexität des Themas aus und bietet vielfältige Anregungen für die weitere Diskussion.
Anke Rösener, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.212.325 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Hermann Hill / Utz Schliesky (Hrsg.): Die Neubestimmung der Privatheit. Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38271-die-neubestimmung-der-privatheit_46405, veröffentlicht am 09.04.2015. Buch-Nr.: 46405 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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