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Stephan Lessenich

Paul Lafargue: Das Recht auf Faulheit. Hrsg. von Carolin Amlinger und Christian Baron

Hamburg: LAIKA Verlag 2014 (Marxist Pocket Books); 95 S.; 9,90 €; ISBN 978-3-942281-54-6
Die Neuauflage von Lafargues Polemik gegen die „Sucht“ der „Liebe zur Arbeit“ (31) erscheint zu einer Zeit, in der tatsächlich auch der sozialdemokratisch und informationstechnologisch aufgeklärte Kapitalismus erneut in tiefe Krisen der Überakkumulation stürzt. Lafargue setzt in seinem kurzen Text einige der wichtigsten marxistischen Axiome über die Natur und die Bewegungsformen der maschinellen Warenproduktion. Dazu gehört vor allem die These, die Steigerung der Produktivität stehe gerade in umgekehrt proportionalem Zusammenhang mit der tatsächlich gesellschaftlich benötigten Gesamtarbeitszeit und dem beobachtbaren imperialistischen Expansionsdrang in neue Absatzmärkte. Auch finden sowohl die sittlich‑kulturellen Verfallserscheinungen in den unteren sowie durch den systemnotwendigen Konsumismus auch in den oberen Klassen Beachtung als auch die zunehmende Kasernierung des Arbeitslebens. Lafargue richtet sich jedoch in erster Linie gegen die revolutionären Bestrebungen der Arbeiterklasse, die in seinen Augen nicht durchdacht genug sind. Anstatt ein Recht auf Arbeit einzufordern, um der Disziplinierung durch künstlich hergestellte oder durch Überproduktion erzeugte Arbeitslosigkeit zu entgehen, sollte die Arbeiterklasse lieber auf ein „Reich der Faulheit“ (61) hinarbeiten. Selbst bürgerliche Ökonomen hätten bereits erkannt, dass man „um Arbeit für alle zu haben, sie rationieren [muss] wie Wasser auf einem Schiff in Not“ (55). Der einleitende Aufsatz des Münchener Soziologen Stephan Lessenich verdeutlicht die Relevanz dieser Polemik für den heutigen politischen Diskurs. Schließlich sind beide Seiten, also sowohl die eines Rechts auf Arbeit als auch eines Rechts auf Faulheit, im engen Sinne ein „veritables reformistisches Prinzip“ (9) – aber nur aus der zeitlichen Distanz sieht es so aus, als ob dieser seltsame Formwandel, im Zuge dessen „die Arbeiterbewegung, die das Lohnverhältnis abschaffen wollte, nach und nach eine solche wurde, die für dessen Universalisierung kämpfte“ (11), bereits abgeschlossen ist. Auch soziologisch lässt sich nämlich für Lafargues Vermutungen einige Evidenz finden, und so befinden wir uns laut Lessenich auf dem besten Weg zu einer „sozial prekarisierten ‚Vollerwerbsgesellschaft‘“ (17).
Florian Geisler, B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 5.335.42 Empfohlene Zitierweise: Florian Geisler, Rezension zu: Stephan Lessenich: Paul Lafargue: Das Recht auf Faulheit. Hamburg: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38265-paul-lafargue-das-recht-auf-faulheit_45721, veröffentlicht am 09.04.2015. Buch-Nr.: 45721 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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