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Denkmäler demokratischer Umbrüche nach 1945

Hans-Joachim Veen / Volkhard Knigge (Hrsg.)

Denkmäler demokratischer Umbrüche nach 1945

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2014 (Europäische Diktaturen und ihre Überwindung 20); 294 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-412-22388-5
Denkmäler im öffentlichen Raum gehören zu den wichtigsten Elementen offizieller Geschichts‑ und Erinnerungspolitik – sowohl in demokratischen als auch in diktatorischen Systemen. Mit Blick auf Deutschland und Ostmitteleuropa wollen die Herausgeber „eine erste Bestandsaufnahme im über Denkmäler demokratischer Umbrüche nach 1945 [vorlegen] sowie eine kritische Reflexion darüber, was Denkmäler heute leisten können und was nicht, welche Funktion sie haben und welche Form ihnen angemessen ist“ (7). Diesem Ziel wird in drei Abschnitten nachgegangen, auch ein umfangreicher Abbildungsteil ist beigegeben. Die Beiträge gehen zurück auf eine Tagung in Weimar im Oktober 2013. Drei einführende Aufsätze widmen sich Aspekten des Gedenkens in Demokratien Allgemeinen und zur NS‑Diktatur im Besonderen. Dabei zeigt sich besonders mit Blick auf Deutschland eine Verschiebung weg von monumentalen und heldenhaften Darstellungen hin zu Typen eher universellen denn national konnotierten Charakters: dem Mahnmal und der Gedenkstätte. Im ostmitteleuropäischen Vergleich mit zahlreichen Länderstudien im zweiten Teil des Bandes werden teilweise andere Tendenzen erkennbar. Auch hier stehen häufig die Opfer diktatorischer Systeme im Mittelpunkt der Erinnerung, oft werden aber auch die Helden des Kampfes gegen diese Systeme bedacht. Der Beitrag von Tomáš Vilímek zu Tschechien trägt diese beiden Elemente bereits im Titel, Mária Schmidt konstatiert als Hauptelemente der ungarischen Gedenkkultur: „Opfer, Helden, Trauer, Liebe und Stolz“ (143). In Lettland und Litauen finden sich angesichts der 1990 wiedererlangten staatlichen Unabhängigkeit zudem häufig nationale Bezüge, wie Valters Nollendorfs sowie Alvydas Nikžentaitis und Rasa ?epaitien? ausführen. Für Deutschland werden abschließend im dritten Teil die oftmals hoch umstrittenen Planungen für Denkmäler zur friedlichen Revolution und zur deutschen Einheit thematisiert, die in größerem Maßstab bisher kaum realisiert wurden. Eine Ausnahme bildet der von Peter Maser vorgestellte Erfurter „Kubus der Friedlichen Revolution“, der als Teil des Gebäudekomplexes der ehemaligen MfS‑Bezirksverwaltung jedoch nicht so zentral ins Stadtbild wirkt wie es mit den Vorhaben in Berlin und Leipzig beabsichtigt ist.
Martin Munke, M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.232.612.352.315 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Hans-Joachim Veen / Volkhard Knigge (Hrsg.): Denkmäler demokratischer Umbrüche nach 1945 Köln/Weimar/Wien: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38253-denkmaeler-demokratischer-umbrueche-nach-1945_46663, veröffentlicht am 02.04.2015. Buch-Nr.: 46663 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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