Portal für Politikwissenschaft

Christian Lotz

Karl Marx: Das Maschinenfragment. Hrsg. von Carolin Amlinger und Christian Baron

Hamburg: LAIKA Verlag 2014 (Marxist Pocket Books); 143 S.; 9,90 €; ISBN 978-3-944233-21-5
Das Marx’sche „Maschinenfragment“ ist jener Ausschnitt aus den „Grundrissen der Kritik der Politischen Ökonomie“, in dem Marx die Möglichkeit andeutet, dass der grundlegende kapitalistische Widerspruch zwischen Kapital und lebendiger Arbeit in gewisser Weise über sich selbst hinauszuweisen beginnt. Marx gilt die Maschinerie – das totalisierte System der kapitalistischen Produktionsweise – als „die adäquateste Form des Kapitals überhaupt“ (57, Herv. im Orig.). In dieser Formation erzeugt sich zugleich eine Dynamik, die sie unterwandert. Dieses Paradox macht Christian Lotz in seiner Analyse mit der einfachen Formel begreifbar: „Je fortschrittlicher der Kapitalismus wird, umso weniger wird er kapitalistisch“ (12). In der Totalisierung des Kapitalismus liege daher auch die Tendenz zur systematischen Unterminierung von privatisierten Produktionsmitteln, von der Notwendigkeit zur Lohnarbeit und der Unterdrückung der Arbeitenden. Diese drei Tendenzen der Überwindung des Kapitalismus im Kapitalismus selbst sieht Lotz am Werk und er stützt diese Interpretation mit weiteren Textfragmenten aus den „Grundrissen“ und dem „Kapital“. Da ist zuerst die Produktivitätssteigerung, die ein Mehr an Nicht‑Arbeitszeit erzeugt und damit Potenziale zur nichtkapitalistischen Aneignung freisetzt. Weiterhin können die für ein globales kapitalistisches System notwendigen Investitionen nicht mehr aus bloß privaten Mitteln getätigt werden, sondern sind immer schon gesamtgesellschaftliche Investitionen, die als solche wieder angeeignet werden können. Letztlich bedarf eine bestimmte Stufe des Kapitalismus einer entsprechenden Entwicklung der Produktivkräfte, deren darin entfaltete Intelligenz gegen ihn selbst zu richten ist. Die Betonung des „Maschinenfragments“ als eigenständigem Klassikertext rechtfertigt sich dabei einerseits durch die visionäre Kraft, die Marx darin angesichts der heutigen Lage der Wissensgesellschaften an den Tag legt, in der die vollständige Unterwerfung der Subjekte unter die Verwertungslogik des Kapitals bereits vollzogen scheint. Andererseits wird mit der Annahme, der Kommunismus sei ein schon inhärenter Teil des Kapitalismus und „dass die bessere Welt nur aus dem Bestehenden […] hervorgehen kann“ (47), eine linke Denktradition von italienischem Operaismus bis zur Multitude‑Debatte um Michael Hardt und Antonio Negri begründet.
Alexander Struwe, M. A. Politische Theorie, Politikwissenschaftler, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 5.335.42 Empfohlene Zitierweise: Alexander Struwe, Rezension zu: Christian Lotz: Karl Marx: Das Maschinenfragment. Hamburg: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38206-karl-marx-das-maschinenfragment_45722, veröffentlicht am 26.03.2015. Buch-Nr.: 45722 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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