Portal für Politikwissenschaft

Mythen des Reichtums

BEIGEWUM / Attac Österreich / Armutskonferenz (Hrsg.)

Mythen des Reichtums. Warum Ungleichheit unsere Gesellschaft gefährdet

Hamburg: VSA 2014; 171 S.; 12,80 €; ISBN 978-3-89965-618-3
„Das Gemeinsame beider sozialer Randpositionen der Verteilung – also von Armut und Reichtum – ist, dass sie aus einer politischen Gleichheitsperspektive negativ zu beurteilen sind“ und somit der Blick auf das Postulat „Gleichheit bedeutet Glück“ (16) fokussiert werden sollte. – Dieser Typus von ausschließlich normativ‑ideologischen Aussagen zieht sich als ein roter Faden durch das gesamte Buch und macht es, auch wenn ohne jeden Zweifel die zentralen Dimensionen des Problems der sozialen Ungleichheit angesprochen werden, inhaltlich und vom wissenschaftlichen Gehalt her zu einer ambivalenten Lektüre. Einerseits werden unter dem Begriff des Mythos viele verschiedene und wichtige Merkmale von Reichtum und Armut aufgegriffen, wie die Chancengleichheit, geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede, die Rolle von Privatisierungen, die ökonomischen Unterschiede zwischen dem Norden und Süden Europas (wobei nicht auf die ökonomischen Eigenheiten eines Binnenmarktes eingegangen wird) oder die sogenannte und oft angezweifelte Trickle‑Down‑Theorie (die aber nicht unter diesem wirtschaftswissenschaftlichen Terminus zu finden ist). Allein letzterer Beitrag umfasst einen kurzen empirischen Teil. Auch wenn die damit verbundenen Entwicklungen in den meisten Fällen korrekt dargestellt werden, täte dem Buch ein größerer empirischer Anteil oder zumindest eine empirische Belegung von vielen wertenden und ideologischen Thesen gut. Andererseits muss konstatiert werden, dass – auch wenn die Ziele der verständlichen Darstellung sowie ein „Wachrütteln“ der Gesellschaft auf diese Weise gelingen mögen –, sich das Buch nicht für eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Thematik der sozialen Ungleichheit eignet. Der Anspruch der Herausgeber, die „Unwahrheiten des hegemonialen öffentlichen Diskurses zum Thema Reichtum zu sammeln und zu entkräften“ (7), muss mit Blick auf die dürftige empirische Basis bezweifelt werden. Dies wäre nicht nötig, da sich die hier vorgestellten „Mythen“ (Titel) durchaus auch wissenschaftlich widerlegen oder die strukturellen Ursachen ergründen lassen. Das Kapitel zur notwendigen Umverteilung bildet eine Ausnahme und zeigt, wie auch die anderen hätten aufgebaut werden können. Sollten sich die Herausgeber – namentlich der Beirat für gesellschafts‑, wirtschafts‑ und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM, ein Verein für SozialwissenschaftlerInnen), Attac und die Armutskonferenz (Netzwerk sozialer Organisationen sowie Bildungs‑ und Forschungseinrichtungen) – auf einen auch ihren Organisationen innewohnenden wissenschaftlichen Charakter besinnen, täte dies auch den Veröffentlichungen der „Mythen‑Reihe“ gut.
Christian Heuser, B.A., Student der Soziologie, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Universität Bonn.
Rubrizierung: 2.222.232.42.355.42 Empfohlene Zitierweise: Christian Heuser, Rezension zu: BEIGEWUM / Attac Österreich / Armutskonferenz (Hrsg.): Mythen des Reichtums. Hamburg: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38200-mythen-des-reichtums_46741, veröffentlicht am 19.03.2015. Buch-Nr.: 46741 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...