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Die Entwicklung und die Behandlung der regionalen Disparitäten im Mercosur

Victor Marcelo Martínez Larroza

Die Entwicklung und die Behandlung der regionalen Disparitäten im Mercosur. Analyse der Ursachen, Institutionen und regionalpolitischen Maßnahmen des Mercosur im Vergleich mit der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft von 1957

Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2013 (Wirtschaftspolitik in Forschung und Praxis 69); XXIII, 627 S.; 138,- €; ISBN 978-3-8300-7253-9
Politikwiss. Diss. Erlangen‑Nürnberg, W. Harbrecht, M. Neumann. – Victor Marcelo Martínez Larroza untersucht mit dem Zusammenhang zwischen den wirtschaftlichen Disparitäten und der Entwicklung des 1991 gegründeten Wirtschaftspakts Mercosur ein Thema, das die interne Agenda Lateinamerikas zwischen 2003 und 2010 dominiert hat. Der Autor zieht dazu die Erfolgsgeschichte der europäischen Integration als Vergleichsrahmen heran. Ihm geht es darum zu ermitteln, ob (und wenn ja, wie) es im Rahmen des südamerikanischen gemeinsamen Marktes zu ähnlichen nationalen und regionalen wirtschaftlichen Konvergenzen gekommen ist wie bei der Entwicklung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) zur Europäischen Gemeinschaft (EG) von 1957 bis 1973. Mit dem BIP pro Kopf als Maßstab zielt der Autor sowohl auf eine qualitative Analyse der Ursachen und Ziele als auch der institutionellen Struktur und des Umgangs mit den Disparitäten innerhalb des Mercosur ab. Zu letzterem Punkt zeigt sich, dass der Mercosur bereits bei seiner Gründung größere ökonomische Disparitäten aufwies als die EWG, die sich zudem seit den 1990er‑Jahren noch zu verstärken scheinen. Die maßgeblichen Ursachen für diese Entwicklung liegen für Martínez Larroza nicht nur in ökonomischen Faktoren wie einem im Vergleich zur EWG geringeren Anteil des Binnenhandels. Der Wirtschaftspakt verharre auch im institutionellen Status quo – wichtige Ziele zur Realisierung eines gemeinsamen Marktes seien nicht umgesetzt worden. Den zentralen politischen Grund hierfür sieht der Autor darin, dass – anders als im Falle der EWG mit ihrem Ziel der politischen Vereinigung der Mitgliedstaaten – im Mercosur „keine solidarische Vision und vor allem weniger politisches Engagement als in der EWG“ (552) existiere. Dies habe eine Abgabe von Souveränität im Sinne einer tieferen Integration letztendlich verhindert. Martínez Larroza schließt seine Untersuchung vor diesem Hintergrund mit einem skeptischen Ausblick ab. Für ihn könnte der Mercosur trotzdem von Europa lernen, wenn sich der Fokus von der Verminderung nationaler auf die Bekämpfung regionalen Disparitäten verschiebe.
Christian Patz, M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.32.653.12.14.5 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Victor Marcelo Martínez Larroza: Die Entwicklung und die Behandlung der regionalen Disparitäten im Mercosur. Hamburg: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38187-die-entwicklung-und-die-behandlung-der-regionalen-disparitaeten-im-mercosur_46386, veröffentlicht am 19.03.2015. Buch-Nr.: 46386 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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