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Strategischer Wandel und zivil-militärischer Konflikt

Gerlinde Groitl

Strategischer Wandel und zivil-militärischer Konflikt. Politiker, Generäle und die US-Interventionspolitik von 1989 bis 2013

Wiesbaden: Springer VS 2015; 743 S.; 69,99 €; ISBN 978-3-658-07482-1
Politikwiss. Diss. Regensburg; Begutachtung: S. Bierling, U. Hebel, R. Meier‑Walser. – Gerlinde Groitl untersucht die zivil‑militärischen Beziehungen vom Fall des Eisernen Vorhangs bis zur ersten Amtszeit von Obama und damit über einen vier Präsidentschaften (Bush sr., Clinton, Bush jr., Obama) umfassenden Zeitraum hinweg, in dem es „nicht nur einen markanten Anstieg in der Konfliktquantität, sondern auch in der Konfliktqualität gab“ (19). Das Forschungsinteresse kreist um die Frage: „Warum gab es seit dem Ende des Kalten Kriegs bei allen größeren militärischen Interventionen heftige Konflikte zwischen der zivilen und der militärischen Führung?“ (20) Die umfangreiche Studie ist in sieben Abschnitte untergliedert. Als Weiterentwicklung einschlägiger Theorieansätze zur Thematik entwirft Groitl ein alternatives Erklärungsmodell und leitet eine Hypothese mit drei Teilaspekten ab: Zu den intensiven zivil‑militärischen Konflikten sei es demnach gekommen, „weil 1) mit dem Übergang in die unipolare Ordnung des internationalen Systems ein strategischer Wandel [der US‑Politik] einsetzte, 2) die Positionen der zivilen und der militärischen Führung zum richtigen Einsatz militärischer Gewalt weit auseinanderklafften und sie 3) regelmäßig ihre wechselseitigen funktionalen Erwartungen nicht erfüllten“ (131). In vier auf den Theorieblock folgenden Kapiteln überprüft die Autorin ihre Leithypothese und nimmt dabei eine teilweise von den Amtszeiten der vier Präsidentschaften abweichende Phaseneinteilung (1989‑1993; 1993‑2001; 2001‑2006; 2006‑2013) vor, die beim Übergang von der bi‑ zur unipolaren Weltordnung ansetzt und mit Aufstieg und Fall von Counterinsurgency als Strategierahmen der US‑Militärpolitik für die Kriege in Irak und Afghanistan endet. Im Schlussfazit bestätigt Groitl die in der Leithypothese enthaltenen Annahmen und sieht die US‑Politik weiterhin unter den Vorzeichen zivil‑militärischer Diskrepanzen: „Ein neuer strategischer Konsens konnte in den vergangenen 20 Jahren nicht gefunden werden.“ (682) Bei den militärischen Erfahrungen im Untersuchungszeitraum handele es sich um „konzeptionell neuartige Herausforderungen [...]. Statt um Auseinandersetzungen zwischen staatlich gelenkten Militärapparaten ging es in der Interventionspraxis [...] in der Hauptsache um die innerstaatliche Konfliktbewältigung von außen.“ (683)
Ulrich Heisterkamp, Dr. phil., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.222.644.41 Empfohlene Zitierweise: Ulrich Heisterkamp, Rezension zu: Gerlinde Groitl: Strategischer Wandel und zivil-militärischer Konflikt. Wiesbaden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38151-strategischer-wandel-und-zivil-militaerischer-konflikt_46638, veröffentlicht am 05.03.2015. Buch-Nr.: 46638 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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