Portal für Politikwissenschaft

Modelle der direkten Demokratie

Stefan Vospernik

Modelle der direkten Demokratie. Volksabstimmungen im Spannungsfeld von Mehrheits- und Konsensdemokratie – Ein Vergleich von 15 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Mit einem Vorwort von Arend Lijphart

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (Studien zur Sachunmittelbaren Demokratie 14); 742 S.; 149,- €; ISBN 978-3-8487-1919-8
Politikwiss. Diss. Wien. – Die vergleichende Direktdemokratieforschung hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, trotzdem „sind verallgemeinerungsfähige Ergebnisse weiterhin rar“ (77). Nach einer akribischen Aufarbeitung des Forschungsstandes entwickelt Stefan Vospernik ein Analyseschema, mit dem unterschiedliche Formen der direkten Demokratie in die Differenzierung von Konsens‑ und Mehrheitsdemokratien nach Arend Lijphart eingeordnet werden sollen. Das binäre Modell basiert auf der Unterscheidung zwischen dem gouvernementalen und dem oppositionellen Einsatz direktdemokratischer Instrumente. Untersucht werden alle Staaten der Europäischen Union, in denen seit 1990 mindestens zwei Volksabstimmungen auf nationaler Ebene stattgefunden haben. Die 15 Länderstudien folgen einem strukturierten Schema und umfassen den größten Teil des Buches. Für jedes Land wird zunächst das politische System dargestellt, ehe die direktdemokratischen Instrumente und deren tatsächliche Anwendung erläutert und kategorisiert werden. Daraus errechnet Vospernik für jeden Staat sogenannte Kennzahlen der direkten Demokratie. Obwohl das Werk fast 750 Seiten umfasst, formuliert der Autor durchgängig verständlich und stringent. Im Fazit bilanziert er hinsichtlich der „von oben“ ausgelösten Volksabstimmungen, dass – zumindest für die 15 untersuchten Staaten – „Referenden kein taugliches Machtmittel in den Händen der Regierenden sind, weswegen von einem (weiter) rückläufigen gouvernementalen Einsatz direkter Demokratie ausgegangen werden muss“ (703). Wenn es etwas an dieser sehr guten Dissertation auszusetzen gibt, dann vielleicht, dass die Schweiz nicht in die komparative Abschlussanalyse einbezogen wurde – die EU‑Staaten werden so nicht mit dem Vorreiter der Direktdemokratie verglichen. Dennoch ist das Buch ein qualitativer und quantitativer Meilenstein für die Einordnung der direkten Demokratie in das Lijphart’sche Analyseraster und bietet unzählige Anknüpfungspunkte für weitere vergleichende Studien.
Stefan Müller, M. Sc., Doktorand, Department of Political Science, Trinity College Dublin.
Rubrizierung: 5.41 | 2.21 | 2.2 | 2.61 Empfohlene Zitierweise: Stefan Müller, Rezension zu: Stefan Vospernik: Modelle der direkten Demokratie. Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38126-modelle-der-direkten-demokratie_46678, veröffentlicht am 26.02.2015. Buch-Nr.: 46678 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...