Portal für Politikwissenschaft

Think Tanks der Parteien?

Ulrich Heisterkamp

Think Tanks der Parteien? Eine vergleichende Analyse der deutschen politischen Stiftungen

Wiesbaden: Springer VS 2014; 558 S.; 46,99 €; ISBN 978-3-658-06857-8
Diss. Regensburg; Begutachtung: M. Sebaldt, A. Straßner. – Ulrich Heisterkamp legt die erste detaillierte und empirisch vergleichende Analyse aller sechs parteinahen Stiftungen in Deutschland vor. Er fragt dabei, „ob die parteinahen Stiftungen, bei denen es sich um multifunktionale Organisationen mit verschiedenen Tätigkeitsfeldern handelt, überhaupt als Think Tanks qualifiziert werden können“ (18). Beleuchtet werden ebenso Rahmenbedingungen und Ressourcen eines Think‑Tank‑Handelns der Stiftungen wie deren Selbstverständnis und thematische Schwerpunkte. Die Stiftungen wirkten dabei „stets im familiären Umfeld ihrer Patronatsparteien, die den politikideologischen Bezugsrahmen ihrer Arbeit vorgeben“ (25). Dem bisherigen Forschungsstand zu Think Tanks in Deutschland attestiert Heisterkamp einen „geringen Systematisierungsgrad“ und eine „mitunter willkürlich erscheinende Typenbildung“ (39), deren Tauglichkeit für die Erfassung der parteinahen Stiftungen er hinterfragt. Er beschreibt die Stiftungen als „weltweit einzigartige Organisationen“, vor allem durch ihre „doppelte Verankerung in den innen‑ und außenpolitischen Strukturen der deutschen Politik“ (149). Die internationale Präsenz bringe in der Politikberatung den „Vorteil weltweiter Informationsakquise und Vernetzung mit politischen Entscheidungsträgern“ (175); zudem verfügten die parteinahen Stiftungen durch ihre Begabtenförderung über breite Netzwerke von (Nachwuchs‑)Wissenschaftlern. Dem Selbstbild der Stiftungen nähert sich der Autor zum einen durch leitfadengestützte Interviews mit deren Vertretern, zum anderen durch nichtteilnehmende Beobachtungen bei Stiftungsveranstaltungen sowie die Analyse von Dokumenten, insbesondere zur Selbstdarstellung der Stiftungen. Er bilanziert, diese hätten mit ihren Angeboten, insbesondere denen im Think‑Tank‑Bereich, „vor allem die eigenen ‚Familienangehörigen’ im Blick“ (468): politisches Personal der zugehörigen Partei und deren Umfeld. Dominant sei „eindeutig die Vorstellung der Schaffung und Verbreitung politischer Ideen und Informationen“ (470), vor allem durch Publikationen und Veranstaltungen. „Themenhochburgen“ einer jeden Stiftung entstünden dabei durch die „Reflexion politischer Schlüsselbegriffe und Konzepte, die im ‚Wertehaushalt’ der Mutterpartei dominieren“ (484).
Frank Kaltofen, Politikwissenschaftler, Promotionsstudent, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.3315.2 Empfohlene Zitierweise: Frank Kaltofen, Rezension zu: Ulrich Heisterkamp: Think Tanks der Parteien? Wiesbaden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38075-think-tanks-der-parteien_46336, veröffentlicht am 12.02.2015. Buch-Nr.: 46336 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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