Portal für Politikwissenschaft

Staatsmonopolistischer Kapitalismus

Gretchen Binus / Beate Landefeld / Andreas Wehr

Staatsmonopolistischer Kapitalismus

Köln: PapyRossa Verlag 2014 (Basiswissen: Politik, Geschichte, Ökonomie); 127 S.; 9,90 €; ISBN 978-3-89438-561-3
Der Band ist angesichts der seit 2007 andauernden Wirtschafts‑, Finanz‑ und Staatsschuldenkrise als gegenwartsdiagnostisch akzentuierte Einführung in die Theorie des Staatsmonopolistischen Kapitalismus zu verstehen. In der marxistischen Theorie bezeichnet der „Stamokap oder SMK“ (6) eine Periode kapitalistischer Entwicklung, in der die freie Konkurrenz durch „Gründung von Großkonzernen in Industrie, Handel und Finanzwesen im Gefolge der Konzentration und Zentralisation von Produktion und Kapital“ (7) abgelöst wurde. Interpretiert wird diese Entwicklung als ein konzertierter Versuch von Kapital und Staat, die immer stärker werdenden gesellschaftlichen Produktivkräfte und damit letztlich die Emanzipation des Proletariats einzudämmen – und das, „ohne die bestehende Gesellschaftsordnung zu überwinden“ (8). Während die ersten beiden Teile des Bandes vor diesem Hintergrund der Theoriegeschichte des SMK gewidmet sind, enthält das dritte Kapitel die besonders spannende Diskussion über seine aktuelle Relevanz. Infolge der Epochenwende von 1989/90 sehen die Autor_innen, die zum Umfeld der Partei Die Linke beziehungsweise der Rosa‑Luxemburg‑Stiftung gehören, eine sowohl politisch als auch ökonomisch zunehmende Konkurrenz im globalen Maßstab. Logisch folge hieraus – wie das ähnlich im Übrigen auch Colin Crouch vertreten hat – die Entstehung transnationaler Großkonzerne: „Unmittelbare Reaktion auf die neue Konkurrenzsituation und Voraussetzung zu ihrer Bewältigung ist eine neue Stufe der Monopolisierung, eine ökonomische Machtkonzentration bei riesigen Mega‑Unternehmen“. Der entscheidende Begriff hier lautet „ökonomische Machtkonzentration“ (60). Wenn es tatsächlich gelänge, den Markt in der politologischen Analyse jenseits ökonomischer Naturgesetzlichkeiten als ein Feld im Sinne Bourdieus zu begreifen, in dem es um die gesamtgesellschaftlich bindende Durchsetzung partikularer Interessen geht – sei es in Form der Verteilung von Geld, durch Sprachpraktiken, den Zugang zu Innovation oder Arbeitsplätzen – dann würden vielleicht auch andere Lösungsansätze als die gegenwärtig praktizierten denkbar. Insofern der Band dazu beiträgt, den bestehenden Diskussionsansätzen zur gegenwärtigen Krise einen alternativen – wenn auch, wie manche beklagen mögen, einen marxistisch‑orthodoxen – hinzugefügt zu haben, ist er zur rechten Zeit erschienen.
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.455.33 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Gretchen Binus / Beate Landefeld / Andreas Wehr: Staatsmonopolistischer Kapitalismus Köln: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38045-staatsmonopolistischer-kapitalismus_46364, veröffentlicht am 05.02.2015. Buch-Nr.: 46364 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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