Portal für Politikwissenschaft

Verantwortung zu schützen

Thomas Hoppe (Hrsg.)

Verantwortung zu schützen. Interventionspolitik seit 1990 – eine friedensethische Bilanz. Analysen und Empfehlungen, vorgelegt von der Arbeitsgruppe Gerechter Friede der Deutschen Kommission Justitia et Pax

Berlin: Verlag Dr. Köster 2014; 311 S.; 19,80 €; ISBN 978-3-89574-852-3
Der Theologe Thomas Hoppe und der Politikwissenschaftler Peter Schlotter ziehen in diesem Sammelband eine Bilanz der Erfahrungen aus den militärischen Interventionen der vergangenen 25 Jahre. Ihr analytischer Anspruch ist dabei dezidiert friedensethisch, in den Mittelpunkt stellen sie die Norm der Schutzverantwortung (Responsibility to Protect, R2P). Zu den Problemen bei deren Umsetzung zählen Hoppe und Schlotter die folgenden Aspekte: die Frage der legitimierenden Instanz, die Rolle von Bündnissystemen und die Frage, ob sich Staaten bei Bündnisinterventionen enthalten können, das Problem der Kriterien für den Gewalteinsatz, das „Problem der Opfersensibilität“ (17, gemeint ist das Verhältnis von Eigenschutz und Schutzverantwortung der Intervenierenden) und die Frage der Folgenabschätzung. Somit geht es in dem Band nicht um die Gründe, sondern um die Folgen von Interventionsentscheidungen. Die Autoren, unter ihnen viele langjährige Praktiker, widmen sich unter anderem detailliert den Problemen der militärischen Durchführung, den Konsequenzen von Interventionen für die Zielstaaten und Gesellschaften sowie der Friedenskonsolidierung in der Postkonfliktphase. Winrich Kühne, Gründungsdirektor des Zentrums für Friedenseinsätze (ZIF), liefert beispielsweise eine Übersicht der Entwicklung von Friedenseinsätzen seit dem Ende der 1990er‑Jahre. Seiner Ansicht nach standen die drei Themen Robustheit von Friedenseinsätzen (d. h. ihres militärischen Anteils), Kooperation und Arbeitsteilung zwischen den beteiligten Akteuren und die „Rationalität der ‚liberal‑westlichen’ Peacebuilding‑Agenda“ (55) im Zentrum der akademischen und praktischen Debatten, die jüngst um das Thema des Schutzes der Zivilbevölkerung ergänzt worden sind. Letztere Aufgabe würde dann zu einem Kernproblem, wenn sich hierdurch die Notwendigkeit ergäbe, „die klare Grenzziehung zwischen Friedenseinsätzen und Kriegsführung [...] weiter zu relativieren“, um ein „Robust‑plus Peacekeeping“ (96) zu ermöglichen. Ohne sich in rezeptartige Lösungsvorschläge zu verlieren, vermittelt der Sammelband vielseitige Ein‑ und Überblicke über vergangene Fehler, gegenwärtige Probleme und zukünftige Herausforderungen von Interventionspolitik und geht dabei weit über das Thema R2P hinaus. Der Band entstand im Rahmen des Forschungsprojekts „Erfahrungen aus militärischen Interventionen nach 1989 in friedensethischer Perspektive“ (2009‑2013) der Arbeitsgruppe Gerechter Friede der Deutschen Kommission Justitia et Pax.
Christian Patz, M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.414.12.612.672.684.21 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Thomas Hoppe (Hrsg.): Verantwortung zu schützen. Berlin: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38018-verantwortung-zu-schuetzen_46204, veröffentlicht am 29.01.2015. Buch-Nr.: 46204 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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