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Der Kreml und die "Wende" 1989

Stefan Karner / Mark Kramer / Peter Ruggenthaler / Manfred Wilke / Alexander Bezborodov / Viktor Iščenko / Olga Pavlenko / Efim Pivovar / Michail Prozumenščikov / Natalja Tomilina (Hrsg.), Tschubarjan, Alexander

Der Kreml und die "Wende" 1989. Interne Analysen der sowjetischen Führung zum Fall der kommunistischen Regime. Dokumente. Redaktion und Übersetzungen: Elena Fritzer, Silke Stern, Dieter Bacher, Harald Knoll, Reinhard Möstl, Irina Kazarina, Veronika Bacher, Angelika Kermautz, Vladimir Magidov, Julija Schellander, Stefanie Stückler, Arno Wonisch

Innsbruck/Wien/Bozen: Studien Verlag 2014 (Veröffentlichungen des Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung 15); 708 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-7065-5413-8
Entscheidend für den weitgehend friedlichen Verlauf des Wendejahres 1989 waren auch die Haltung der Sowjetunion gegenüber den Demokratiebewegungen in ihren Satellitenstaaten und die von Michael Gorbatschow angestoßenen Reformprozesse im eigenen Land. Die internen Debatten im Politbüro ließen sich dabei lange Zeit nur über die Memoiren der Beteiligten oder ausländische Aktenbestände rekonstruieren. Erst jetzt liegt eine Quellenedition vor, die wichtige Dokumente aus der Zentrale, den Geheimdienstleitungen und den sowjetischen Botschaften im östlichen Europa in deutscher Übersetzung versammelt – eine russischsprachige Fassung ist ebenfalls geplant. Zum überwiegenden Teil werden diese Quellen, die zu knapp zwei Dritteln aus den Beständen des Archivs des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion stammen und heute im Russischen Staatsarchiv für Zeitgeschichte lagern, erstmals publiziert und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dazu treten unter anderem Auszüge aus Memoiren und Äußerungen westlicher Politiker. Die Dokumente werden jeweils durch eine kurze Skizze des Entstehungsumfeldes eingeleitet und sind ausführlich annotiert. Ein Anhang versammelt weitere Anmerkungen zur allgemeinen politischen Situation, eine umfassende Chronologie der Jahre 1985 bis 1989, biografische Skizzen zu wichtigen Akteuren und zwei Register, die die Handhabung des Bandes sehr erleichtern. In einer umfassenden Einleitung werden die Prozesse und Hintergründe der politischen Ereignisse in der zweiten Hälfte der 1980er‑Jahre skizziert, jeweils getrennt für die betroffenen Länder: Polen, Ungarn, die DDR, Bulgarien, die Tschechoslowakei und Rumänien. In der Diskussion über die Gründe für den erfolgreichen Verlauf der dortigen Revolutionen wird festgestellt, dass die „Kombination von Reformen von oben, Druck von unten und auch eine glückliche personelle Konstellation der Staatschefs […] eine der nachhaltigsten Veränderungen in Europa im 20. Jahrhundert“ (66) ermöglichten.
Martin Munke, M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.622.22.612.314 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Stefan Karner / Mark Kramer / Peter Ruggenthaler / Manfred Wilke / Alexander Bezborodov / Viktor Iščenko / Olga Pavlenko / Efim Pivovar / Michail Prozumenščikov / Natalja Tomilina (Hrsg.), Tschubarjan, Alexander: Der Kreml und die "Wende" 1989. Innsbruck/Wien/Bozen: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37976-der-kreml-und-die-wende-1989_46472, veröffentlicht am 15.01.2015. Buch-Nr.: 46472 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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