Portal für Politikwissenschaft

Jugend, Politik und Medien

Jens Tenscher / Philipp Scherer

Jugend, Politik und Medien. Politische Orientierungen und Verhaltensweisen von Jugendlichen in Rheinland-Pfalz

Wien/Berlin: Lit 2012 (Studien zur politischen Kommunikation 4); 238 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-643-50435-7
In der Alltagswelt von Jugendlichen spielt Politik im Allgemeinen keine große Rolle. Diese Erkenntnis wird auch durch die hier vorgestellten Ergebnisse einer repräsentativen Befragung zu den politischen Orientierungen von Jugendlichen in Rheinland‑Pfalz weitgehend bestätigt. Befragt wurden 1.714 Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren, die zum Zeitpunkt der Erhebung im Jahr 2005 die 8. bis 11. Klasse einer allgemeinbildenden Schule besuchten. Wichtig war den Autoren eine Vergleichbarkeit mit ähnlichen Studien und insbesondere mit der Shell Jugendstudie 2006. Ferner ging es ihnen um eine Zusammenführung von politischer Kultur‑, Jugend‑ und Kommunikationsforschung. Daher liegt der Studie die Annahme zugrunde, dass sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der politischen Orientierung nicht nur auf den demografischen und sozioökonomischen Hintergrund, sondern auch auf die Art der Mediennutzung zurückführen lassen. Die Darstellung der Ergebnisse gliedert sich in sechs Abschnitte, wobei eingangs die persönlichen Lebensumstände und allgemeinen Wertorientierungen präsentiert werden. Danach streben die Jugendlichen „nach harmonischen Bedingungen in ihren privaten Verhältnissen“ (61), genießen zudem einerseits ihre individuellen Freiheiten und sind sich andererseits darüber bewusst, dass diese „nur dann gewährleistet werden können, wenn die bestehende Ordnung akzeptiert und respektiert wird“ (62). In ihre Zukunft blicken sie optimistisch, nehmen aber „Entwicklungen, die für das gemeinsame Zusammenleben in einer Gesellschaft bedrohlich sind, als Gefahren“ wahr, was die Autoren demokratietheoretisch als ein „gut ausgebildete[s] Frühwarnsystem“ (65) werten. Die übrigen Abschnitte sind einzelnen Dimensionen der politischen Orientierung wie der eigenen politischen Rolle, der Haltung gegenüber der politischen Ordnung und der politischen Gemeinschaft oder dem Vertrauen in politische Institutionen sowie Fragen der politischen Kommunikation und Partizipation gewidmet. Hier zeigt sich unter anderem, dass politisches Interesse, Kompetenz und Wissen mit steigendem Alter und Bildungsgrad zunehmen. Die Autoren weisen der informationsorientierten Mediennutzung eine Schlüsselstellung für den Prozess eines aktiven politischen Lernens zu. Unter den zahlreich dargelegten Befunden und Zusammenhängen sticht eine – im Gegensatz zur Shell Jugendstudie – wenig ausgeprägte Zustimmung zu den Grundprinzipien der Demokratie hervor. Dies „scheint Ausdruck des Wunsches vieler Jugendlicher zu sein, in Verhältnissen leben zu wollen, die durch Klarheit, aber auch durch ein möglichst harmonisches und konfliktfreies politisches Alltagsgeschäft gekennzeichnet sind“ (100).
Anke Rösener, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.35 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Jens Tenscher / Philipp Scherer: Jugend, Politik und Medien. Wien/Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37952-jugend-politik-und-medien_43126, veröffentlicht am 15.01.2015. Buch-Nr.: 43126 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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