Portal für Politikwissenschaft

Von der SDP-Gründung zur gesamtdeutschen SPD

Peter Gohle

Von der SDP-Gründung zur gesamtdeutschen SPD. Die Sozialdemokratie in der DDR und die Deutsche Einheit 1989/90

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2014 (Politik- und Gesellschaftsgeschichte 99); 481 S.; brosch., 42,- €; ISBN 978-3-8012-4227-5
Diss. Kassel; Begutachtung: F. Boll, J. Flemming, M. Schneider. – Die Geschichte der Sozialdemokratie in der Sowjetischen Besatzungszone beziehungsweise in der DDR ist kurz. Bis zur Zwangsvereinigung mit der KPD knüpfte die SPD nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs „fast selbstverständlich an die organisatorischen Traditionen der alten SPD an“ (33). Innerhalb der SED versuchten die verbliebenen Sozialdemokraten ebenfalls eine Zeit lang, einige ihrer Traditionen zu bewahren, ehe sie der kommunistischen Unterwerfungsstrategie unterlagen. 5.000 ihrer einstigen Mitglieder wurden inhaftiert, weitere 350.000 aus der Partei gedrängt. Ihre Funktionäre wurden weitgehend marginalisiert. Als sich im Oktober 1989 eine Sozialdemokratische Partei (SDP) in der DDR gründete, stellte dieser Akt in symbolischer Hinsicht eine der schärfsten Attacken auf den Machtanspruch der SED dar. Doch die SDP konnte und wollte offenkundig nicht an die große Tradition der SPD gerade in Sachsen und Thüringen aus der Zeit vor 1933 anknüpfen. Sie „gefiel sich eher in der Rolle eines exklusiven revolutionären und nachrevolutionären Klubs“ (117). Von vornherein hatte die SDP mit zwei Herausforderungen zu kämpfen. Sie musste einerseits eine auskömmliche Mitgliederbasis gewinnen, ohne dadurch von geschulten SED‑Kadern übernommen zu werden, und sie hatte andererseits eine Parteiorganisation vollkommen neu aufzubauen. Eine letztlich restriktive Aufnahmepraxis in Bezug auf einstige SED‑Mitglieder und ein Verzicht darauf, vorhandene Bündnisoptionen weiter auszuloten (was ihr interessanterweise die Blockpartei DBD anbot, ehe diese sich dann der CDU anschloss), sorgten dafür, dass die personellen und organisatorischen Schwächen anhielten, woraus sich gegenüber den vorherigen Systemparteien CDU und PDS ein Wettbewerbsnachteil ergab. Das enttäuschende Wahlergebnis vom März 1990 und die in Teilen ungeliebte Regierungskoalition brachten der nunmehr wieder SPD heißenden Partei dann noch eine Regierungsbeteiligung ein, die geringe Spielräume in wirtschaftlicher Hinsicht mit begrenzten Handlungsoptionen für die Aushandlung der deutschen Einheit verband. Letzteres teilte sie mit der SPD im Westen. Peter Gohle zeigt in seiner quellengesättigten Arbeit, wie schwer sich die SDP/SPD in den Siechjahren der DDR tat. Der gewählte Fokus ist dabei auf die Arbeit des Parteivorstands und die Volkskammerfraktion gerichtet, sodass eine Reihe von Forschungsperspektiven für künftige Arbeiten offenbleibt.
Stephan Klecha, Dr., Mitarbeiter Team Statistik, Region Hannover.
Rubrizierung: 2.314 | 2.315 | 2.331 Empfohlene Zitierweise: Stephan Klecha, Rezension zu: Peter Gohle: Von der SDP-Gründung zur gesamtdeutschen SPD. Bonn: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37925-von-der-sdp-gruendung-zur-gesamtdeutschen-spd_46431, veröffentlicht am 18.12.2014. Buch-Nr.: 46431 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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