Portal für Politikwissenschaft

Vom Ostblock zur EU

Günther Heydemann / Karel Vodička (Hrsg.)

Vom Ostblock zur EU. Systemtransformationen 1990-2012 im Vergleich

Göttingen u. a.: Vandenhoeck & Ruprecht 2013 (Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung 49); 387 S.; 64,99 €; ISBN 978-3-525-36960-9
2004 traten acht ostmitteleuropäische Länder der Europäischen Union bei. Bulgarien und Rumänien folgten 2007, das Gebiet der ehemaligen DDR gehörte bereits seit der deutschen Einigung 1990 dazu. Sie alle hatten vor 1989/90 zum sogenannten Ostblock gezählt und veränderten sich seit der Überwindung der kommunistischen Herrschaft in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft umfassend. In länderorientierten, vergleichbar aufgebauten Studien untersuchen eine Autorin und zehn Autoren den Verlauf dieser Veränderungen. In einem abschließenden Kapitel nehmen die beiden Herausgeber einen umfassenden Vergleich der Entwicklungen vor. Im Gegensatz zu anderen ost‑ und südosteuropäischen Staaten würden die neuen Mitgliedsländer der Union „weltweit […] Spitzenpositionen unter den Transformationsländern als die am meisten konsolidierten marktwirtschaftlichen Demokratien“ (319 f.) einnehmen. Gleichwohl seien sie – wenn man den Entwicklungsstand westlicher Demokratien als Maßstab nehme – noch nicht vollständig stabilisiert; einer höheren Korruptionsanfälligkeit, der weit verbreiteten Skepsis der Bevölkerung gegenüber der Politik und einer wenig gefestigten Zivilgesellschaft müsse weiter entgegen gewirkt werden. Aber: „Die schwierigste Zeit ist in den östlichen EU‑Ländern bereits durchschritten: im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bereich kann tendenziell mit einer überwiegend positiven Entwicklung gerechnet werden.“ (380) Für die Stabilisierung und Weiterentwicklung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit könne es also entscheidend sein, ob ein Land Mitglied der EU werde oder eben nicht. Anhand der zukünftigen Entwicklung von Staaten wie dem neuesten EU‑Mitglied Kroatien innerhalb und etwa der Ukraine (noch?) außerhalb der Union wird sich die Kohärenz dieser These zeigen. Der Sammelband geht zurück auf eine Tagung, die im Juni 2010 im Hannah‑Arendt‑Institut Dresden veranstaltet wurde.
Martin Munke, M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.22.3142.612.315 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Günther Heydemann / Karel Vodička (Hrsg.): Vom Ostblock zur EU. Göttingen u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37850-vom-ostblock-zur-eu_44616, veröffentlicht am 04.12.2014. Buch-Nr.: 44616 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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