Portal für Politikwissenschaft

Antisemitismus in deutschen Parteien

Dana Ionescu / Samuel Salzborn (Hrsg.)

Antisemitismus in deutschen Parteien

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014; 323 S.; brosch., 59,- €; ISBN 978-3-8487-0555-9
Die Beiträge stellen eine „Verbindung von Antisemitismus‑ und Parteienforschung“ her, wobei sie „gleichermaßen einen einführenden wie punktuell vertiefenden Charakter haben und einen ersten Zugriff auf den Gegenstand eröffnen sollen“ (10), wie Dana Ionescu und Samuel Salzborn die Zielsetzung des Sammelbandes skizzieren. Die Autor_innen, von denen die meisten an der Universität Göttingen arbeiten, untersuchen alle überregional agierenden Parteien, die im Jahr 2013 in mindestens einem Landesparlament vertreten waren. Um antisemitische Tendenzen ausfindig zu machen, verweisen sie auf Fallbeispiele, öffentliche Kontroversen, Medienaussagen, Parlamentsdebatten oder Parteiprogramme. Innerhalb der CDU erkennen Julia Kopp und Tobias Neef bei der Diskussion um das geplante Denkmal für die ermordeten Juden in Berlin „erinnerungsabwehrende Aspekte, die wiederum Anknüpfungspunkte für antisemitische Stereotype sein können“ (44). Laut Sebastian Voigt „war die SPD eine der bedeutendsten deutschen Organisationen im Kampf gegen den Nationalsozialismus“ (113), obwohl auch sie „in den späten 1930er und frühen 1940er Jahren [...] die Judenverfolgung nicht in ihrer grausamen Spezifik erkannt“ (91) habe. In der Partei Die Linke sei vor allem die Frage zum Staat Israel ein Streitthema, das antisemitische Vorstellungen offenbare. Aus der Sicht der SPD müsse die Linkspartei zwingend von der ablehnenden Haltung gegenüber Israel Abstand nehmen, um auf der Bundesebene als Koalitionspartner fungieren zu können. Elke Wittich zufolge würden in der Piratenpartei antisemitische Äußerungen „mit dem Hinweis darauf abgetan, dass es sich lediglich um einen Einzelfall handele, der keinerlei Rückschlüsse auf allgemeine Parteitendenzen erlaube“ (255). Die Autor_innen präsentieren viele Schlaglichter, die auf gegenwärtige oder vergangene antisemitische Handlungen oder Äußerungen hinweisen. Dabei vermeiden sie Pauschalisierungen und meistern den schmalen Grad, zwischen Einzelfällen und allgemeinen Tendenzen innerhalb einer Partei zu differenzieren. In der Schlussbetrachtung halten Ionescu und Salzborn fest, „dass Parteien den Antisemitismus der anderen Parteien mühelos identifizieren und verurteilen können, den eigenen hingegen seltener oder sogar gar nicht“ (314).
Stefan Müller (SMÜ)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Trinity College Dublin.
Rubrizierung: 2.3312.35 Empfohlene Zitierweise: Stefan Müller, Rezension zu: Dana Ionescu / Samuel Salzborn (Hrsg.): Antisemitismus in deutschen Parteien Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37815-antisemitismus-in-deutschen-parteien_46326, veröffentlicht am 20.11.2014. Buch-Nr.: 46326 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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