Portal für Politikwissenschaft

Islamisten im Wandel

Karima El Ouazghari

Islamisten im Wandel. Die Islamic Action Front in Jordanien und die An-Nahdha in Tunesien in sich verändernden Kontexten

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung 27); 410 S.; 74,- €; ISBN 978-3-8487-1377-6
Politikwiss. Diss. Frankfurt; Begutachtung: H. Müller, B. Meyer. – Die Aufstände und Revolutionen des Arabischen Frühlings geschahen unerwartet und führten in mehreren Staaten zu tiefgreifenden Verschiebungen innerhalb des politischen Machtgefüges. Die damit seit 2011 weithin bekannten islamistischen Bewegungen – verstanden als Gruppierungen, die den Islam zum politischen Programm und zum Leitfaden des eigenen politischen Handelns machen – waren allerdings bereits lange zuvor fester Bestandteil der politischen Landschaft ihrer jeweiligen Heimatländer. Karima El Ouazghari beschäftigt sich in ihrer Dissertation mit den primären Erklärungsfaktoren für die inhaltlichen Positionen islamistischer Bewegungen und fragt: „Wie wandeln sich die Vorstellungen einer gerechten politischen und gesellschaftlichen Ordnung islamistischer Bewegungen mit sich verändernden staatlichen De‑/Liberalisierungsstrategien?“ (28) Nach den theoretisch‑analytischen und methodischen Grundlagen widmet sich die Autorin ihren Fallbeispielen, der tunesischen An‑Nahdha und der jordanischen Islamischen Aktionsfront (IAF). Im Gründungsmanifest der An‑Nahdha (1981) findet die Autorin fast ausschließlich religiöse Referenzen und erkennt zunächst nur Kritik am bestehenden undemokratischen Status Quo, während 2011 – zu diesem Zeitpunkt nimmt die An‑Nahdha erstmals an Wahlen teil – unter anderem eigene demokratische Vorstellungen formuliert wurden, die El Ouazghari als „reformistisch“ (210) einstuft; Rechtsfragen werden nun nicht religiös legitimiert. Dennoch stellen diese Veränderungen „keine vollkommene Abkehr“ (325) dar, sodass die Autorin die An‑Nahdha „zwischen Pragmatismus und konstanten Mustern“ (324) verortet. Die Islamische Aktionsfront (IAF), die offiziell zunächst eine Wohlfahrtsorganisation war und aus der Muslimbruderschaft hervorgegangen ist, hatte dagegen bereits 1989 an der Parlamentswahl teilgenommen und war an der Regierung des Premierministers Mudar Badran beteiligt. Entsprechend sah sie sich deutlich früher vor die Herausforderung gestellt, einen präzise(re)n Ordnungsentwurf zu formulieren. Die in den folgenden Jahren einsetzenden staatlichen Repressionen gegenüber der IAF führten dazu, dass die Partei mehr Freiheitsrechte und demokratische Verfahren einforderte, aber gleichzeitig am politischen Prozess teilnehmen wollte und deshalb beispielsweise die Einstellung zum jordanisch‑israelischen Friedensvertrag modifizierte. Trotz dieses Wandels findet die Autorin auch viele Kontinuitäten, vor allem in religiösen Fragen. Sie mussten aber auch deshalb nicht abgeändert werden, weil Jordanien selbst kein säkularer Staat ist.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.222.232.252.632.67 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Karima El Ouazghari: Islamisten im Wandel. Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37781-islamisten-im-wandel_46036, veröffentlicht am 13.11.2014. Buch-Nr.: 46036 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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