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Außenpolitik als internationale Gesellschaftspolitik

Winfried Veit

Außenpolitik als internationale Gesellschaftspolitik. Die Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung in der nördlichen Hemisphäre nach der Zeitenwende 1989/91

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2013 (Geschichte der internationalen Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung 3); 483 S.; 30,- €; ISBN 978-3-8012-0446-4
Laut Winfried Veit, der – wie Gernot Erler im Geleit bemerkt – mit 35 Dienstjahren und vielen Auslandsstationen zu den erfahrensten Vertretern der SPD‑nahen Friedrich‑Ebert‑Stiftung (FES) zählt, hat sich die internationale Arbeit der FES in der nördlichen Hemisphäre in den etwas mehr als zwei Jahrzehnten (1990 bis 2012), die in diesem Band betrachtet werden, zwischen „dramatischen Polen“ (455) bewegt. Am Anfang haben der Sturz der kommunistischen Regime im Osten Europas, die deutsche Wiedervereinigung und die Auflösung der Sowjetunion gestanden und am Ende die Finanz‑ und Wirtschaftskrise mit den bekannten Problemen für die südeuropäischen EU‑Mitgliedstaaten. Der Autor zeigt die politische Entwicklung in den betroffenen Ländern und Regionen auf und gewährt zugleich Einblicke in die Arbeitsweise der FES. In der genannten Zeitspanne habe die Stiftung in dem riesigen Raum zwischen Adria und Hindukusch mit ihren jeweils auf die spezifische Landessituation angepassten Instrumenten demokratische Grundkenntnisse vermittelt und in der politischen Öffentlichkeit Deutschlands und Europas zu einem besseren Verständnis dieser Länder beigetragen. Unverzichtbar sei dabei die personelle Präsenz vor Ort in Gestalt der Auslandsmitarbeiter_innen gewesen, die über Kenntnisse verfügten, die sich von denen von Diplomaten unterschieden. In den mittelosteuropäischen EU‑Beitrittsländern habe die FES zur europäischen Wiedervereinigung beigetragen. Diesen Gesellschaften seien Informationen über die Mechanismen und Regeln der EU vermittelt worden, um sie auf die Anforderungen des acquis communautaire vorzubereiten – was in Zusammenarbeit mit den Parteien, Gewerkschaften und NGOs erfolgt sei. In Westeuropa sei es zunächst darum gegangen, die Ängste vor einer deutschen Vormachtstellung zu reduzieren und sich dann für eine institutionelle Vertiefung der EU stark zu machen. Das Büronetz der FES in der Europäischen Union habe zum besseren Verständnis auf bilateraler Ebene beigetragen – dem Europabüro in Brüssel sei dabei eine Steuerungsfunktion zugekommen. In den Beziehungen zu den USA habe die Stiftung als Vermittlerin eines gesellschaftspolitischen Dialogs über den Atlantik eine wichtige Rolle bei der Überwindung der deutsch‑amerikanischen Krise unter der Bush‑Administration gespielt und darüber hinaus versucht, die Hinwendung Washingtons nach Asien abzufedern. Und in Russland sei es, da sich dort die Arbeitsbedingungen von Stiftungen verschlechtert haben, vor allem darum gegangen, die Akteure des Landes aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft in die internationale Diskurskultur zu integrieren.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.214.442.3152.3312.22.612.64 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Winfried Veit: Außenpolitik als internationale Gesellschaftspolitik. Bonn: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37746-aussenpolitik-als-internationale-gesellschaftspolitik_45438, veröffentlicht am 06.11.2014. Buch-Nr.: 45438 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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