Portal für Politikwissenschaft

Arbeit, Arbeiter und Technik in der DDR 1971 bis 1989

Peter Hübner

Arbeit, Arbeiter und Technik in der DDR 1971 bis 1989. Zwischen Fordismus und digitaler Revolution

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2014 (Geschichte der Arbeiter und der Arbeiterbewegung in Deutschland seit dem Ende des 18. Jahrhunderts 15); 743 S.; Ln., 78,- €; ISBN 978-3-8012-5037-9
Das Buch ist als Fortsetzung der von Christoph Kleßmann verfassten Monografie (siehe Buch‑Nr. 32677), die die Arbeiter im sogenannten Arbeiterstaat DDR bis zum Ende der Ulbricht‑Ära in den Blick nimmt, konzipiert. Peter Hübner widmet sich der Honecker‑Zeit und damit knapp zwei Jahrzehnten, in denen die bereits von Walter Ulbricht ausgegebene wissenschaftlich‑technische Revolution vorangetrieben werden sollte. Wenngleich diese Formel in den 1970er‑ und 1980er‑Jahren „zum Schema erstarrt“ ist, wie es Hubert Laitko formulierte, zeigt sich in der seit den 1960er‑Jahren zu konstatierenden verstärkten Zusammenführung von Technik und Wissenschaft der Versuch, die DDR innerhalb kurzer Zeit an die Spitze des technischen Fortschritts zu katapultieren. Dies hatte zweifelsohne auch Auswirkungen auf die Form der Arbeit sowie die Arbeiterinnen und Arbeiter. Hübner vermerkt in seiner Einleitung, dass er in seiner Studie einen industriewirtschafts‑ und technikgeschichtlich orientierten Schwerpunkt legt, der durchaus kritisiert und als zu eng angesehen werden könnte – ein Eingeständnis, das eine Schwäche des Buches bereits auf den ersten Seiten benennt. Lässt man diese einmal beiseite und begibt sich auf Hübners analytischen Weg, so wird durchaus nachvollziehbar erhellt, dass die DDR einerseits bis zu ihrem Ende von einer arbeitskräfteintensiven, teils handwerklich‑manufakturähnlichen, teils seriellen Produktion geprägt war und der Fordismus entsprechend unvollendet blieb. Andererseits aber wurde der Anspruch eines technische Innovationen hervorbringenden Landes formuliert und auch erste Auswirkungen der ansetzenden digitalen Revolution (bspw. sinkender Arbeitskräftebedarf) wurden spürbar, was zwangsläufig zu Ambivalenzen und Zielkonflikten führte. Diese Entwicklungen zeichnet Hübner mit speziellem Fokus auf die technische Arbeit und die Arbeiter_innen nach und präsentiert mit diesem Buch eine lesenswerte und detaillierte Darstellung der DDR‑Industrieentwicklung. Mit seinem gewählten Ansatz kann er die eingangs formulierte Frage, „wie sich die Arbeiter der DDR [im von Karl Heinz Roth sogenannten ‚Kraftfeld des technischen Fortschritts] bewegten“ (12), weitreichend bearbeiten, aber nicht in Gänze beantworten. Eher vermutend denn anhand der herangezogenen Quellen vollständig beweisend meint Hübner, dass die Masse der Arbeiterinnen und Arbeiter vielfach an den „ideologischen Leitbildern“ (533) festhielt, sodass der Übergang zur digitalen Revolution insgesamt besehen nicht gelang.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Peter Hübner: Arbeit, Arbeiter und Technik in der DDR 1971 bis 1989. Bonn: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37745-arbeit-arbeiter-und-technik-in-der-ddr-1971-bis-1989_44898, veröffentlicht am 06.11.2014. Buch-Nr.: 44898 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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