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Demokratie in den Föderierten Staaten von Mikronesien

Sonja Döring

Demokratie in den Föderierten Staaten von Mikronesien

Berlin: Lit 2012 (Politik und Moderne Geschichte 8); 140 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-643-10353-6
Politikwiss. Magisterarbeit Heidelberg. – Die im Pazifik gelegene Region Mikronesien wurde aus politikwissenschaftlicher Sicht bisher nur unzureichend beschrieben. Dies ist insofern bedauerlich als dort demokratisch verfasste Staaten entstanden sind. Somit schließt Sonja Döring mit dieser Publikation ein echtes Forschungsdesiderat. Unverständlich ist jedoch der irreführende Titel: In der Arbeit werden eben nicht nur die Föderierten Staaten von Mikronesien, sondern auch die Republik Palau und die Republik Marshallinseln betrachtet. Diese drei Staaten gehören zum geografischen Begriff Mikronesien, teilen eine gemeinsame Kolonialvergangenheit und sind mit den USA assoziiert, die einen „entscheidenden Einfluss bei Inhalt und Form der demokratischen Verfassungen Mikronesiens“ (122) hatten. Döring beschreibt einerseits die politischen Institutionen der drei Staaten und stellt die klassische Analysefrage nach der Kohärenz von Verfassungstext und Verfassungswirklichkeit. Andererseits interessiert sie der Einfluss autochthoner Herrschafts‑ und Entscheidungsstrukturen für die lokale Demokratie: Wirken diese Traditionen stabilisierend oder „untergraben sie das formale Institutionengefüge“ (9)? Im Verlauf der Analyse zeigt sich, dass die drei Staaten unterschiedliche politische Systeme generierten. Palau und die Föderierten Staaten von Mikronesien sind föderal geprägt. Während der erstgenannte Staat ein präsidentielles System aufweist, ist das politische System Mikronesiens durch eine Mischform aus Präsidentialismus und Parlamentarismus geprägt. Die Republik Marshallinseln ist dagegen dezentral organisiert und stark an das Westminster‑Modell angelehnt. Die Schwierigkeiten, Demokratien im modernen westlichen Sinne zu schaffen, zeigen sich in den Fallanalysen. Parteien spielen in diesen Staaten keine Rolle. Stärker wirken klientelistische Gesellschaftsstrukturen, Vetternwirtschaft und traditionelle Herrschaftselemente, die vor allem in Fragen der Machtverteilung und Besetzung von Schlüsselpositionen weiterwirken. „Traditionelle Regelungen spielen in allen Teilen Mikronesiens immer noch eine wichtige Rolle.“ (123) Palau ist im Prozess des Nation‑Buildings am weitesten vorangeschritten. Ob sich diese Staaten jedoch überhaupt nach einem westlichen demokratischen Verständnis entwickeln werden, bleibt abzuwarten. Insgesamt bietet das Buch einen nützlichen Einblick in die Welt Mikronesiens.
Fabrice Gireaud, Dr., Politikwissenschaftler und Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Universität Vechta.
Rubrizierung: 2.66 | 2.2 | 2.21 Empfohlene Zitierweise: Fabrice Gireaud, Rezension zu: Sonja Döring: Demokratie in den Föderierten Staaten von Mikronesien Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37738-demokratie-in-den-foederierten-staaten-von-mikronesien_42684, veröffentlicht am 06.11.2014. Buch-Nr.: 42684 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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