Portal für Politikwissenschaft

Salafismus in Deutschland

Rauf Ceylan / Benjamin Jokisch (Hrsg.)

Salafismus in Deutschland. Entstehung, Radikalisierung und Prävention

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2014 (Reihe für Osnabrücker Islamstudien 17); 268 S.; geb., 29,95 €; ISBN 978-3-631-64458-4
Der Salafismus stellt eine ernste Herausforderung dar, „nicht nur für die westliche Welt, sondern auch für den weitaus größten Teil der islamischen Welt“ (9). Die Autorinnen und Autoren des Sammelbandes versuchen, den Salafismus, oft auch als „Neo‑Salafismus“ bezeichnet, innerhalb des Islam zu verorten. Dies offenbart vor allem seine Heterogenität. So erklärt Benjamin Jokisch in seinem Beitrag, dass der moderne Salafismus in seiner radikalen Ausprägung nicht zwangsläufig aus dem vormodernen Islam entstehen musste. Die untersuchten Aspekte wie die Anbindung an Traditionen, die Einstellung zum „Ğihād“ (21) oder die Nähe zu anderen Bewegungen der Vormoderne zeigen, dass die Bezüge allenfalls punktuell sind. So verbinden sich „die verschiedenen, spezifischen Einzelkonzepte zu einer Gesamtkonzeption, die als solche keiner vormodernen Bewegung oder Gruppierung zugeordnet werden kann“ (33). Bacem Dziri greift in seinem Beitrag die „schwere Fassbarkeit der Salafiyya“ (49) auf, die sich ihm zufolge vor allem in der „Inkongruenz wechselseitiger Wahrnehmungen, also der Selbst‑ und Fremdverortung innerhalb der Gesamtheit aller Muslime“ (50) widerspiegelt. Die Neo‑Salafisten stehen abgesondert vom Mehrheitsislam und es gilt zu beantworten, ob diese Bewegung „als Spaltung oder als Strömung anzusehen ist“ (71). Die Heterogenität des Phänomens erschwert die Präventionsarbeit angesichts der zunehmenden Radikalisierung des politischen Salafismus, womit sich die Autorinnen und Autoren im zweiten Teil des Bandes beschäftigen. Der politische Salafismus zeichnet sich laut Claudia Dantschke durch das gesellschaftspolitische Ziel aus, „die demokratische Ordnung durch eine religiöse Ordnung entsprechend salafistischer Interpretationen zu ersetzen“ (195). Nur eine Minderheit sieht allerdings Gewalt als legitimes Mittel an, um dieses Ziel zu erreichen; im Sinne einer wirkungsvollen Prävention ist von einer pauschalen Kriminalisierung unbedingt abzusehen: „Es sind die nicht‑gewaltbereiten missionarischen Gruppen und vor allem die Puristen, die sich innerhalb des salafistischen Spektrums am stärksten gegen die Dschihad‑Propaganda stellen, diese kritisieren und zum Teil auch aktiv versuchen […] dagegen zu argumentieren.“ (196)
Simone Winkens (SWI)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 2.37 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Rauf Ceylan / Benjamin Jokisch (Hrsg.): Salafismus in Deutschland. Frankfurt a. M. u. a.: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37730-salafismus-in-deutschland_46035, veröffentlicht am 30.10.2014. Buch-Nr.: 46035 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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