Portal für Politikwissenschaft

Integration versus Salafismus

Wael El-Gayar / Katrin Strunk (Hrsg.)

Integration versus Salafismus. Identitätsfindung muslimischer Jugendlicher in Deutschland. Analysen. Methoden der Prävention. Praxisbeispiele

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2014; 187 S.; brosch., 19,80 €; ISBN 978-3-89974944-1
Ob im Zusammenhang mit gewaltsamen Demonstrationen oder dem Konflikt in Syrien – die Diskussion über den Salafismus ist in Deutschland zum Teil der öffentlichen Debatte über religiösen Extremismus geworden. Mit Wael El‑Gayar und Katrin Strunk widmen zwei Islamwissenschaftler ihren Sammelband der Frage, warum sich Jugendliche von islamisch‑extremistischen Vorstellungen beeinflussen lassen. Die Beitragsautor_innen sehen dabei nach eigener Aussage das „Thema der Salafismusprävention in Deutschland als eine gemeinsame Aufgabe von Sicherheits‑ und Integrationspolitik“ (7), wobei Jugend‑ und Bildungspolitik von ihnen ebenfalls als Einflussgrößen auf diesen Prozess verstanden werden. Der Band vereint mit Beiträgen von Islam‑ und Politikwissenschaftlern, Polizeivertretern und Imamen Perspektiven aus Theorie und Praxis. Vor diesem Hintergrund werden neben Fragen der Identitäts‑ und Orientierungssuche betroffener Jugendlicher und den vermeidlichen Antworten der Salafisten hierauf auch Gegenangebote und ‑strategien behandelt, um missbräuchlichen Religionsinterpretationen zu begegnen. Wie Hac?‑Halil Uslucan in seinem Beitrag aus sozialpsychologischer Perspektive argumentiert, sind Fragen von Moral und Identität für Jugendliche mit Migrationsgeschichte von Relevanz. Uslucan präsentiert zwei zentrale Vorschläge zur Förderung der „moralischen Sensibilität bei Jugendlichen“. Demnach gilt es einerseits, eine „‚gerechte‘, moralförderliche Umgebung“ (17) – beispielsweise in der Schule – zu schaffen, die auf partizipatorischen Möglichkeiten beruht. Andererseits sollen auch moralische Konfliktsituationen bewusst inszeniert werden, um über kognitive Prozesse eine moralische Entwicklung zu fördern, ohne dabei dem aus seiner Sicht „naturalistischen Fehlschluss in der Moralpsychologie“ (19) zu erliegen, wonach Werte deshalb legitim wären, weil sie in bestimmten Kulturen gelten. In eine andere Richtung geht Katrin Strunk, die sich mit dem Internet als Propagandaplattform für Salafisten auseinandersetzt. Sie versucht, die ideologischen Grundlagen des Salafismus in Deutschland anhand der im Internet verbreiteten Inhalte zu rekonstruieren und gleichzeitig eine Antwort auf die Frage zu finden, wann Salafismus die geschützte Sphäre der Religionsfreiheit in Richtung extremistischer Ideologie verlässt. Neben einem nützlichen Überblick über die theologischen und historischen Entwicklungslinien liefert Strunk dabei eine um Beispiele ergänzte Liste von sechs Kernmerkmalen salafistischer Glaubensinterpretationen, wie sie im deutschsprachigen Internet verbreitet werden. Zu diesen gehört neben der Idealisierung der Scharia und der Ablehnung demokratischer zugunsten islamischer Staatsvorstellungen auch ein gewaltbefürwortendes Jihad‑Verständnis.
Christian Patz (CPA)
M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 2.352.372.325 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Wael El-Gayar / Katrin Strunk (Hrsg.): Integration versus Salafismus. Schwalbach/Ts.: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37589-integration-versus-salafismus_45840, veröffentlicht am 25.09.2014. Buch-Nr.: 45840 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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