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Medien müssen draußen bleiben! Wo liegen die Grenzen politischer Transparenz?

Franziska Bravo Roger / Philipp Henn / Diana Tuppack (Hrsg.)

Medien müssen draußen bleiben! Wo liegen die Grenzen politischer Transparenz? Beiträge zur 8. Fachtagung des DFPK

Berlin: Frank & Timme 2013 (Düsseldorfer Forum Politische Kommunikation 3); 289 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-86596-458-8
Das Düsseldorfer Forum Politische Kommunikation (DFPK) ist eine wissenschaftliche Nachwuchstagung, die jährlich von Studierenden des Masterstudiengangs Politische Kommunikation an der Heinrich‑Heine‑Universität Düsseldorf organisiert wird und auf der im April 2012 über die Grenzen politischer Transparenz diskutiert wurde. Der Sammelband „dokumentiert den Ertrag des DFPK 2012 und fasst die Forschungsergebnisse der Referenten zusammen“ (8). Ann‑Christin Wehmeyer, Masterstudentin an der FU Berlin, fragt in ihrem klar formulierten und interessanten Beitrag danach, inwieweit sich die Darstellung Angela Merkels in den Medien über die Jahre, in denen sie politisch aktiv ist, geändert hat. Besonderes Augenmerk richtet Wehmeyer auf die Darstellung Merkels als Frau sowie ihrer ostdeutschen Vergangenheit und führt hierfür eine Inhaltsanalyse des Spiegels von 1990 bis 2010 mithilfe des Framing‑Konzeptes durch (insgesamt 180 Artikel). Wie die Autorin darlegt, dominierte zu Beginn des Untersuchungszeitraums sowie in den Jahren 2000 und 2005 der Frame „Koryphäe der Emanzipation“ (75), der ebenfalls identifizierte Frame „Die Fremde bringt nur Schaden“ (78) tritt erst ab dem Jahr 2000 signifikant auf und erreicht in den Jahren 2001, 2005 und 2008 Spitzenwerte. Der dritte Frame schließlich, der „Gender‑Karrieren‑Zwiespalt“ (81), ist erst ab 1999 präsent und findet sich seither in der Berichterstattung. Insgesamt liefern die Frames kein einheitliches Ergebnis der Mediendarstellung: Mal ist Merkel eben nicht die deutsche Thatcher, sondern, wie Joschka Fischer einst spottete, „‚Maggie von Mecklenburg‘“ (83), dann wird sie von Parteikollegen als „‚Zonenwachtel‘“ (80) tituliert, wahlweise ist Merkel in der Darstellung eine unbeholfene und sich durch keinerlei Führungsstärke auszeichnende Frau, dann aber wiederum eine berechnende Politikerin. In einem anderen Beitrag geht Patrick Sumpf, seit 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter in Karlsruhe, am Beispiel des Verlaufs der sogenannten EHEC‑Krise, gefasst als „Vertrauenskrise“ (217), der Frage nach, welche Erklärungsmuster sich für den Entzug und die Regeneration von Vertrauen aufzeigen lassen. Zur Beantwortung greift Sumpf auf die systemtheoretisch ausgerichteten Ausführungen Luhmanns zu Vertrauen (zentrale Komponenten: Substitution äußerer durch innere Sicherheit, Lernfähigkeit, symbolische Kontrolle) sowie Vertrauens‑ und Katastrophenschwellen zurück.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.222.3334.452.3312.33.12.612.3433.5 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Franziska Bravo Roger / Philipp Henn / Diana Tuppack (Hrsg.): Medien müssen draußen bleiben! Wo liegen die Grenzen politischer Transparenz? Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37581-medien-muessen-draussen-bleiben-wo-liegen-die-grenzen-politischer-transparenz_45563, veröffentlicht am 25.09.2014. Buch-Nr.: 45563 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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