Portal für Politikwissenschaft

David Harveys urbane Politische Ökonomie

Felix Wiegand

David Harveys urbane Politische Ökonomie. Ausgrabungen der Zukunft marxistischer Stadtforschung

Münster: Westfälisches Dampfboot 2013 (Raumproduktionen: Theorie und Gesellschaftliche Praxis 16); 298 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-89691-922-9
Diplomarbeit Wien. – Gemessen an der herausragenden Stellung der Werke David Harveys – nicht nur innerhalb der kritischen Stadtforschung, sondern in der marxistischen Gesellschaftstheorie insgesamt – ist das weitgehende Fehlen ihrer systematischen Aufarbeitung mindestens bemerkenswert. Felix Wiegand nimmt sich eben dieser Leerstelle an und erarbeitet detailliert „Begriffe und Kategorien […] und deren (Weiter‑)Entwicklung“, um „zentrale Argumentationsstränge sowie die generelle Theoriearchitektur von Harveys Werk offenzulegen“ (20). Ausgehend von Harveys intellektueller Biografie und den damit eng verknüpften Orten seines Schaffens und Wirkens werden zunächst die grundlegenden Prämissen der urbanen politischen Ökonomie dargelegt. Harveys dezidiert marxistische Position, die er sowohl als Gesellschaftswissenschaftler als auch in Debatten vertritt, prägt konsequent seine Vorstellung eines historisch‑geografischen Materialismus, die er über mehrere Jahrzehnte ausgearbeitet und gegen postmoderne und bürgerliche Kritik verteidigt hat. Die von Harvey benannte zentrale Stellung des Räumlichen innerhalb des kapitalistischen Zirkulationsprozesses ist der Ausgangspunkt, von dem aus er bis in 1990er‑Jahre an einem akkuraten Verständnis kapitalistischer Urbanisierung und deren Überwindung gearbeitet hat. Seine ausdrückliche Leistung besteht schließlich darin, „in kohärenter Form zeitliche und räumliche Aspekte in eine umfassende Analyse der Funktionsweise des kapitalistischen Produktionsprozesses integriert zu haben“ (123), die tatsächlich eine allgemeine marxistische Theorie um zentrale Punkte zu einer Akkumulations‑ und Krisentheorie erweitert. Die entsprechenden Analysen, inklusive aller Ambivalenzen zwischen einer Betonung der strukturellen Produktionsfaktoren und der Eigenständigkeit des Urbanen, stellt Wiegand systematisch in Hinblick auf ihre theoretischen Errungenschaften vor. Insgesamt geht er damit aber weit über eine bloße Werkschau hinaus. Mit beachtlichem inhaltlichem Tiefgang steckt er anhand Harveys Auseinandersetzungen auch die Eckpfeiler einer ganzen Disziplin und, beinahe nebenbei, die einer metatheoretischen Großdebatte zum Stand marxistischer Theorie ab.
Alexander Struwe (AST)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 5.465.42 Empfohlene Zitierweise: Alexander Struwe, Rezension zu: Felix Wiegand: David Harveys urbane Politische Ökonomie. Münster: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37569-david-harveys-urbane-politische-oekonomie_43359, veröffentlicht am 25.09.2014. Buch-Nr.: 43359 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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