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Menschenrechts-Nichtregierungsorganisationen im Spannungsfeld zivilgesellschaftlicher Transformationsprozesse am Beispiel Mexikos

Christiane Schulz

Menschenrechts-Nichtregierungsorganisationen im Spannungsfeld zivilgesellschaftlicher Transformationsprozesse am Beispiel Mexikos

Online-Publikation 2013 (http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2013/6407/pdf/Dissertation.pdf); VI, 282, 12 S.
Politikwiss. Diss. Hamburg; Begutachtung: D. Nolte, R. Tetzlaff. – Können nichtstaatliche Menschenrechtsorganisationen (MR‑NRO) durch ihre Arbeit gesellschaftliche Strukturen verändern und dabei Menschenrechte erfolgreich schützen? Dieser Frage geht Christiane Schulz am Beispiel Mexikos nach. Sie untersucht, welche Funktionen mexikanische MR‑NROs wahrnehmen, wie diese Organisationen in die gesellschaftlichen Prozesse des Landes eingebunden und inwiefern – und unter welchen Bedingungen – sie mit ihrer Arbeit erfolgreich waren. Grundlegend für die Untersuchung ist die von Schulz erarbeitete Typologie der Tätigkeiten von MR‑NROs, die drei Arten von Aktivitäten umfasst: Während gegenüber der Zivilgesellschaft die Dokumentation von und Information über Menschenrechtsverletzungen, die Menschenrechtsbildung und Bereitstellung von Dienstleistungen sowie die Bildung von Netzwerken wahrgenommen werden, wird die Öffentlichkeit durch MR‑NGOs mittels Symbolpolitik und medialer Informationskampagnen adressiert. Mit Bezug auf den Staat wiederum wirken MR‑NRO an der Erarbeitung von Rechtsstandards unter anderem durch Lobbying‑Arbeit und der Unterstützung der Rechenschaftspflicht mit. Laut Schulz markiert der erstmalige Wechsel der Regierungspartei im Jahr 2000 für die MR‑NROs in Mexiko ein Etappenziel, auf das allerdings eine staatliche Kooptierung des Menschenrechtsdiskurses „aus der Zivilgesellschaft in die Sphäre des Staates“ (101) folgte. In diesem Kontext studiert Schulz die Arbeit von MR‑NROs mittels Analyse von Primär‑ und Sekundärquellen in Kombination mit Experteninterviews für exemplarische Fälle von Menschenrechtsverletzungen gegenüber einer oder mehreren konkreten Person(en), die jeweils im Zeitraum der politischen Transition zwischen 2001 und 2004 (Regierung Fox) begangen wurden. Der eigentliche Untersuchungszeitraum endet mit dem Jahr 2008. Im Ergebnis stellt Schulz ein Teilversagen nichtstaatlicher Menschenrechtorganisationen in Mexiko fest, das auch auf deren unterschiedliche Situation auf bundestaatlicher und föderaler Ebene zurückzuführen ist. Während für Schulz MR‑NROs durchaus „eindeutig menschenrechtsrelevante Verbesserungen in Einzelfällen erreicht haben“ (248), bedürfen diese Organisationen jenseits ihrer Fachkompetenz jedoch selbst einer Verankerung in der Zivilgesellschaft, um diese im Gegenzug stärken und zur Demokratisierung der mexikanischen Gesellschaft beitragen zu können.
Christian Patz (CPA)
M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 2.652.224.42 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Christiane Schulz: Menschenrechts-Nichtregierungsorganisationen im Spannungsfeld zivilgesellschaftlicher Transformationsprozesse am Beispiel Mexikos 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37472-menschenrechts-nichtregierungsorganisationen-im-spannungsfeld-zivilgesellschaftlicher-transformationsprozesse-am-beispiel-mexikos_45964, veröffentlicht am 28.08.2014. Buch-Nr.: 45964 Rezension drucken

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