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Kölner Beiträge zum Internationalen Jahr der Genossenschaften 2012

Hans Jürgen Rösner / Frank Schulz-Nieswandt (Hrsg.)

Kölner Beiträge zum Internationalen Jahr der Genossenschaften 2012

Berlin: Lit 2013 (Neue Kölner Genossenschaftswissenschaft 9); IV, 361 S.; brosch., 44,90 €; ISBN 978-3-643-12424-1
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen erklärte das Jahr 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften. Sie begründete ihren Beschluss damit, dass Genossenschaften die Mitwirkung der Menschen an der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung fördern und zur Beseitigung der Armut beitragen. Das veranlasste das Seminar für Genossenschaftswesen an der Universität zu Köln, mehrere Tagungen mit Wissenschaftlern und Praktikern zu veranstalten, aus denen dieser Sammelband hervorgegangen ist. Die Autoren sind sich darin einig, dass Genossenschaften ein großes Potenzial für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung bieten und eine besondere Wirtschafts‑ und Unternehmensform darstellen. Ingrid Schmale und Philipp Degens weisen in ihrem Beitrag darauf hin, dass genossenschaftliche Solidarität für „kollektive Selbsthilfe“ (118) steht. Zwar komme es durch die Bindung des Einzelnen an die genossenschaftliche Zusammenarbeit zu einem Abbau der unternehmerischen Souveränität, dem stehe aber eine Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten durch die Kooperation zur Seite. Auf diese Weise werde es möglich, dass einzelne wirtschaftlich eher schwächere Haushalte oder Unternehmen die Chance erhielten, sich am Markt zu behaupten oder ihre Bedarfe zu befriedigen. Die personengebundene Mitbestimmung und Mitwirkung in Genossenschaften könne als „Garant einer aktiven Freiheit in der wirtschaftlichen Betätigung“ (119 f.) gesehen werden. Das Autorenduo betont, wie sehr die genossenschaftlichen Selbsthilfeorganisationen dazu beigetragen haben, dass die Bundesrepublik „im Kern ein Land ausgeprägter kleiner mittlerer Unternehmen ist und sich seit dem 19. Jahrhundert ein breiter Mittelstand etablieren konnte“ (113). Aufgrund ihrer besonderen Art der Geschäftstätigkeit, die sich in einer eher uneigennützigen Orientierung am Bedarf niederschlägt, stoßen Genossenschaften Umfragen zufolge auf positive Zustimmung in der Bevölkerung und verfügen dadurch über besondere Legitimität. Diese Einschätzung ist möglicherweise auch dadurch entstanden, dass sich die lokal agierenden Sparkassen und insbesondere die genossenschaftlich organisierten Banken in der Finanzkrise als robust erwiesen haben, wie in insgesamt neun Beiträgen zu den Bankgenossenschaften deutlich wird. In drei geschichtlich orientierten Aufsätzen geht es um die Ausbreitung der Genossenschaftskonzeptionen im britischen Kolonialreich, dabei werde, so die Herausgeber, die integrative Kraft dieser Wirtschaftsweise deutlich.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.222.331 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Hans Jürgen Rösner / Frank Schulz-Nieswandt (Hrsg.): Kölner Beiträge zum Internationalen Jahr der Genossenschaften 2012 Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37348-koelner-beitraege-zum-internationalen-jahr-der-genossenschaften-2012_45306, veröffentlicht am 31.07.2014. Buch-Nr.: 45306 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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