Portal für Politikwissenschaft

Arbeitsbeziehungen im Prozess der Globalisierung und Europäischen Integration

Stefan Rüb / Torsten Müller (Hrsg.)

Arbeitsbeziehungen im Prozess der Globalisierung und Europäischen Integration. Ökonomische und soziale Herausforderungen im Zeichen der Euro-Krise. Festschrift für Hans-Wolfgang Platzer

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Schriften zur europäischen Arbeits- und Sozialpolitik 13); 448 S.; 84,- €; ISBN 978-3-8487-0987-8
Der Band präsentiert die Ergebnisse einer multidisziplinären Tagung aus Anlass des 15‑jährigen Bestehens der gewerkschaftsnahen „Forschungsgruppe Europäische und globale Arbeitsbeziehungen“ im April 2013 an der Hochschule Fulda. Angesichts der Klage über den Einflussverlust der Gewerkschaften im Zuge von Globalisierung und Europäisierung ist es verdienstvoll, dass verschiedene Betätigungsfelder und Themen beleuchtet werden, die nach wie vor von besonderer Relevanz für die organisierten Arbeitnehmervertretungen sind. Ludger Pries wendet sich so zunächst mit seinen abstrakten Überlegungen den fünf „sozialen Institutionen der Erwerbsregulierung“ (47) zu. Dabei beleuchtet er, wie sich soziale Netzwerke, Berufe, Märkte, Organisationen und öffentliche Regime im Zuge der Globalisierung verändert haben. Der daraus oft abgeleiteten Feststellung „Kapital global, Gewerkschaft national, Arbeit lokal – alles fatal“ (34) setzt er die neoinstitutionalistisch inspirierte Modellvorstellung eines „organisationalen Feldes“ (56) entgegen, in dem verschiedene Organisationen mit beschränkter Rationalität im Bereich der Erwerbsregulierung miteinander interagieren und so gemeinsam Legitimationsbedürfnisse befriedigen. Weniger theoretisch sind die Beiträge von Michael Fichter sowie Rebecca Gumbrell‑McCormick und Richard Hyman, die auf einer Makro‑ und Mesoebene beleuchten, wie sich die Globalisierung konkret auf rechtliche Rahmenbedingungen, Organisationsstrukturen und Arbeitsweisen der Gewerkschaften auswirkt. Strategien und Handlungsansätze, um den Einflussverlust der Gewerkschaften zu stoppen, problematisieren dann in ganz unterschiedler Weise Christoph Scherrer, Berndt Keller sowie Thomas Haipeter und Markus Hertwig. Erkennt Scherrer eine wachsende Diskursmacht der Gewerkschaften im Zuge zunehmender sozialer Ungleichheiten, problematisieren die letztgenannten Autoren mögliche Gewerkschaftszusammenschlüsse sowie grenzüberschreitende Formen der Interessenvertretung. Verbindungen zur aktuellen Krise in der Eurozone stellen Doris Meißner und Heribert Kohl her, weil sie die Defizite der immer wieder beschworenen „sozialen Dimension“ (244) des Integrationsprozesses mit reichhaltigem empirischem Datenmaterial unterlegen. Alleine die aufgezeigten Diskrepanzen bezüglich zentraler wirtschaftlicher Indikatoren im EU‑Vergleich lassen erkennen, wie sehr es auch in Zukunft intermediärer Vermittlungsinstanzen wie der Gewerkschaften bedarf, um soziale Desintegrationsgefahren in Europa nicht weiter zu befördern.
Henrik Scheller (HS)
Dr. phil., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Politik und Regieren in Deutschland und Europa, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 1.32.212.223.43.54.43 Empfohlene Zitierweise: Henrik Scheller, Rezension zu: Stefan Rüb / Torsten Müller (Hrsg.): Arbeitsbeziehungen im Prozess der Globalisierung und Europäischen Integration. Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37325-arbeitsbeziehungen-im-prozess-der-globalisierung-und-europaeischen-integration_45302, veröffentlicht am 24.07.2014. Buch-Nr.: 45302 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...