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Das Internet: Bereicherung oder Stressfaktor für die Demokratie?

Marianne Kneuer (Hrsg.)

Das Internet: Bereicherung oder Stressfaktor für die Demokratie?

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Veröffentlichungen der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) 31); 275 S.; brosch., 44,- €; ISBN 978-3-8487-0531-3
Seien es nun der Arabische Frühling, WikiLeaks, Protestbewegungen à la Occupy oder die zunehmende Verbreitung von Online‑Bürgerhaushalten: Das Stichwort Internet taucht in jedem dieser Kontexte an prominenter Stelle auf. Jedoch scheiden sich die Geister an der Frage, inwiefern das Internet nun Segen oder Fluch ist. Mit dem Band wird eine politikwissenschaftliche Anknüpfung an diese Diskussion geschaffen und folgerichtig der Kernfrage nachgegangen, ob das Internet eine Bereicherung oder einen Stressfaktor für die (repräsentative) Demokratie darstellt. Die Beiträge, die auf die Jahrestagung 2012 der DGfP zurückgehen, sind dabei unterschiedlichen Aspekten gewidmet, die sich in drei größere Themenblöcke gliedern lassen. Nach den einführenden und grundlegenden Gedanken von Marianne Kneuer, der Herausgeberin des Bandes, zum Verhältnis von Internet und Demokratie stehen im ersten Teil die Themenfelder Transparenz (Barbara Zehnpfennig; James W. Davis/Miriam Meckel), Repräsentation und Legitimität (Ulrich Sarcinelli) sowie die Urheberrechtsdiskussion (Michael Hassemer) im Mittelpunkt. Zehnpfennig prüft beispielsweise die These, dass das Internet eher zu einer Entpolitisierung statt zu einer Repolitisierung führt. Sie kommt zu dem Schluss, dass nur eine gebildete Öffentlichkeit, „die zu strukturieren, zu gewichten, zu beurteilen vermag“ (55), in der Lage ist, das Internet als demokratisches Medium zu gebrauchen. Im zweiten Teil sind die Beiträge auf Darstellungen und empirische Untersuchungen konkreter Beispiele konzentriert, wie Online‑Verfahren bei Bürgerhaushalten (Alma Kolleck), Bürgerinitiativen und social entrepreneurship (Saskia Richter), die Piratenpartei (Stephan Klecha) sowie die Occupy‑Bewegung (Florian Hartleb). Die beiden abschließenden Beiträge verlassen den demokratischen Raum und blicken eher auf die Demokratisierungspotenziale des Internets im Kontext autoritärer Systeme, die anhand des Arabischen Frühlings (Thomas Demmelhuber) und des chinesischen Internets (Nele Noesselt) analysiert werden. Die vielseitigen und informativen Beiträge zeigen unter anderem, dass aktuell eine Ablösung beziehungsweise ein Neustart der repräsentativen Demokratie durch das Internet nicht in Sicht ist und (bisher) jegliche Netzgemeinschaften ohne ein Mindestmaß an Institutionalisierung auf Dauer nicht funktionsfähig sind.
Christoph Mohamad-Klotzbach (CHM)
M. A., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft und Sozialforschung, Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 2.331 | 2.333 | 2.63 | 2.68 | 4.43 Empfohlene Zitierweise: Christoph Mohamad-Klotzbach, Rezension zu: Marianne Kneuer (Hrsg.): Das Internet: Bereicherung oder Stressfaktor für die Demokratie? Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37253-das-internet-bereicherung-oder-stressfaktor-fuer-die-demokratie_45574, veröffentlicht am 03.07.2014. Buch-Nr.: 45574 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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