Portal für Politikwissenschaft

Totalitarian and Authoritarian Discourses

Lutgard Lams / Geert Crauwels / Henrieta Anişoara Şerban (Hrsg.)

Totalitarian and Authoritarian Discourses. A Global and Timeless Phenomenon?

Oxford u. a.: Peter Lang 2014; 349 S.; pb., 69,60 €; ISBN 978-3-0343-0908-0
Die Beiträge in diesem Band, in dem die Diskussion über totalitäre und autoritäre Diktaturen wieder aufgefrischt wird, gehen von einer „pragmatischen Perspektive“ (19) aus, wie Henrieta Anişoara Şerban einleitend erläutert: Totalitäre Diskurse fassten die gesamte Gesellschaft unter einem totalitären Prinzip zusammen und leugneten den Individualismus. Die Realität werde so relativiert und eine „Verschmelzung von Staat und Moral“ (32) erzeugt. Die „Existenz einer Identität, Kommunikation oder Solidarität“ (33) werde damit verunmöglicht. Von diesen Annahmen ausgehend, werden Beispiele von Diskursen totalitärer und autoritärer Regime analysiert – in der historischen Rückschau wie mit Blick auf die Gegenwart. So wird im Falle Kubas die diskursive Transformation des Menschen Che Guevara in einen „Guerilla‑Held“ (48) diskutiert. Damit sei er für das gegenwärtige Lateinamerika „ein mächtiges Symbol gegen den US‑Imperialismus“ (58). Interessant ist die Analyse des Erziehungssystems in Nordkorea. Kindern werde dort beigebracht, dass sie in einer „großen harmonischen Familie“ (133) gemeinsam mit dem Führer lebten. Im Schulsystem werde ein entsprechender „Prozess der ideologischen Erziehung“ (149) in Gang gesetzt, sodass alle jungen Menschen im Alter von 16 Jahren „dieselbe Vision von ihrer Rolle in der Gesellschaft haben“ (149). In einem Beitrag über die Sprache der nationalsozialistischen Dichtung werden christliche, aber auch antichristliche Metaphern herausgearbeitet; hervorgehoben wird die Metapher von „Licht und Sonne“(103), die häufig Hitler oder Deutschland symbolisierte. Für die Philippinen wird gezeigt, dass der damalige Präsident Marcos eine „Sprache der Angst und des Heroismus“ führte, um seine Macht zu etablieren. Die Einführung des Kriegsrechts wäre ihm unmöglich gewesen, wenn nicht ein „antikommunistischer Diskurs“ eingeführt worden wäre, der die „subversiven Gruppen als marxistische Terroristen brandmarkte“ (165). Die Autoren gehen zugespitzt davon aus, dass in dieser Diktatur die „autoritäre Sprache in einem totalitären Diskurs eingebettet“ (181) gewesen sei. In einem Aufsatz über China wird deutlich, dass der offizielle Diskurs mittlerweile „linguistisch weniger repressiv als im Vergleich zu Maos Ära“ sei, der totalitäre Diskurs sei zugunsten eines „autoritären Diskurs‑Modus“ (213) verschoben worden. Auffällig sei dabei, dass stets eine diskursive Strategie der symbolischen Konstruktion eingesetzt werde. Diesen Begriff führt der Autor auf Arbeiten von John Thompson zurück – dieser analysierte Ideologien als „symbolische Formen“(193), die der Herrschaft dienen.
Wahied Wahdat-Hagh (WWH)
Dr., Dipl.-Soziologe und Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.252.222.612.622.652.672.682.3122.314 Empfohlene Zitierweise: Wahied Wahdat-Hagh, Rezension zu: Lutgard Lams / Geert Crauwels / Henrieta Anişoara Şerban (Hrsg.): Totalitarian and Authoritarian Discourses. Oxford u. a.: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37219-totalitarian-and-authoritarian-discourses_45328, veröffentlicht am 26.06.2014. Buch-Nr.: 45328 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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