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Industrial Relations in der Schweizerischen Eidgenossenschaft

Alex Baumgärtner

Industrial Relations in der Schweizerischen Eidgenossenschaft

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013; 407 S.; 99,- €; ISBN 978-3-8329-7039-0
Diss. KU Eichstätt‑Ingolstadt; Begutachtung: M. Fuchs, J. Genosko. – Die Schweiz gibt den Wirtschaftswissenschaften vielfach Rätsel auf, weil sie keine starken Gewerkschaften, aber hohe Löhne sowie eine restriktive Finanzpolitik, aber Vollbeschäftigung hat. Diese historisch gewachsene Ordnung der schweizerischen Arbeitswelt untersucht Alex Baumgärtner „[m]ittels eines evolutorischen Untersuchungsansatzes“. Er arbeitet insbesondere heraus, „wie sich im Laufe der Geschichte die Industrial Relations als Teilaspekt der Gesamtwirtschaft in der Schweiz institutionalisierten“ (52). Für die innerhalb des deutschsprachigen Wissenschaftsraumes kaum etablierte Erforschung der Industrial Relations nutzt Baumgärtner den von John T. Dunlop entwickelten systemischen Zugriff, der die Perspektiven von Arbeitgebern, Arbeitnehmern (einschließlich ihrer Organisationen) und des Staates sowie deren dynamische Beziehungen zueinander berücksichtigt, um Veränderungen, Interdependenzen und die historischen Weichenstellungen für Pfadabhängigkeiten aufzuzeigen. Für seine Rekonstruktion der dynamischen Industrial Relations liefert die mehr als 130 Mal geänderte und zweimal sogar vollständig revidierte Bundesverfassung Baumgärtner maßgebliche Orientierungspunkte. Der Autor macht die dem Ideal einer staatsfreien Wirtschaft folgenden Prinzipien Privatautonomie und Subsidiarität als wichtige Pfeiler aus. Diese weist er in der Bundesverfassung von 1848 nach, kann sie sogar zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise und am Ende des Zweiten Weltkrieges aufspüren und zeigen, dass sie bis heute Bestand haben. Auch andere, im Rahmen der Arbeit beleuchtete Verhältnisse zeichnen sich durch Kontinuität aus. Diese wichtige Erkenntnis führt Baumgärtner auf die Besonderheiten des politischen Systems zurück: Sollen von der Bundesversammlung getroffene Entscheidungen nicht per Referendum zur Volksabstimmung gestellt (und eventuell wieder aufgehoben) werden, müssen Lösungen gefunden werden, denen sowohl die organisierte Mehrheit im Parlament als auch die Mehrheit der Bevölkerung zustimmen kann.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.52.22 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Alex Baumgärtner: Industrial Relations in der Schweizerischen Eidgenossenschaft Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37218-industrial-relations-in-der-schweizerischen-eidgenossenschaft_45075, veröffentlicht am 26.06.2014. Buch-Nr.: 45075 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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