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Der Deutsche Gewerkschaftsbund 1969-1975

Klaus Mertsching (Bearb.)

Der Deutsche Gewerkschaftsbund 1969-1975. Bearbeitet von Klaus Mertsching

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2013 (Quellen zur Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung im 20. Jahrhundert 16); 1.033 S.; Ln., 78,- €; ISBN 978-3-8012-4218-3
Der Band dokumentiert den Entscheidungs‑ und Willensbildungsprozess des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in den Jahren von 1969 bis 1975. Damit schließt er inhaltlich und chronologisch an die Bände 11, 12 und 13 der Reihe an, in denen die Politik des DGB in den Gründungsjahren bis 1969 behandelt wird (siehe Buch‑Nr. 4939). Der Quellenband beinhaltet 119 zum Teil gekürzte Dokumente aus verschiedenen Archiven, der Großteil davon Protokolle der monatlichen Sitzungen des DGB‑Bundesvorstands. Die ausführliche Einleitung von Klaus Mertsching hilft den Leserinnen und Lesern bei der Einordnung und Bewertung der Quellen und bietet einen Überblick über die Schwerpunkte der DGB‑Politik während der sozialliberalen Regierungen unter Willy Brandt und Helmut Schmidt. Besonders die Anfangszeit war mit Hoffnungen und Erwartungen verbunden, wie auch in der Stellungnahme zur Regierungserklärung von Bundeskanzler Willy Brandt im Oktober 1969 deutlich wird: „Der DGB stellt mit Befriedigung fest, daß im Gegensatz zu allen Regierungserklärungen seit 1949 dieses Mal die Wünsche der Arbeitnehmer und ihrer Gewerkschaften in hohem Maße berücksichtigt wurden.“ (121) So geht der DGB seine Aufgaben Anfang der 1970er‑Jahre engagiert und ambitioniert an. Doch bekamen die Gewerkschaften auch die negativen Seiten des sozialpolitischen Erfolgs und der Regierungsnähe zu spüren: die Unternehmer‑ und besonders die Arbeitgeberverbände schürten in der Öffentlichkeit erfolgreich die Angst vor einem „Gewerkschaftsstaat“. Über die kommentierten Quellen erschließt sich auch ein neuer Blick auf die allgemeine bundesdeutsche politische Entwicklung, die die Gewerkschaften begleiteten. Im Rahmen von Brandts neuer Ostpolitik wird beispielsweise auch der Kontakt zum Gewerkschaftsbund der DDR, dem FDGB, gesucht, was sich als diplomatischer Balanceakt mit vielen Rückschritten erweist, wie sich dem Briefverkehr und einigen Sitzungsprotokollen entnehmen lässt. Was 1974 ein eigener Tagesordnungspunkt einer Sitzung des Bundesvorstands war, lädt heute ein wenig zum Schmunzeln ein: So stellt der Vorsitzende Heinz Oskar Vetter im Bundesvorstand die Frage, ob die Beziehungen zum FDGB angesichts der Guillaume‑Affäre weiter unterbrochen werden sollen, „oder ob es ausreichend wäre, die Delegationen kühl und reserviert zu empfangen“ (863).
Simone Winkens (SWI)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 2.3312.313 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Klaus Mertsching (Bearb.): Der Deutsche Gewerkschaftsbund 1969-1975. Bonn: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36964-der-deutsche-gewerkschaftsbund-1969-1975_45253, veröffentlicht am 10.04.2014. Buch-Nr.: 45253 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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