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Anfänge globaler Umweltpolitik

Thorsten Schulz-Walden

Anfänge globaler Umweltpolitik. Umweltsicherheit in der internationalen Politik (1969-1975)

München: Oldenbourg Verlag 2013 (Studien zur Internationalen Geschichte 33); IX, 401 S.; 54,80 €; ISBN 978-3-486-72362-5
Diss. Köln. – Die Sicherheit eines Staates sei gefährdet, wenn Bedrohungen für dessen Umwelt auftreten, so Thorsten Schulz‑Walden. Umweltsicherheit definiert er „als Möglichkeit, Umweltgeschichte und internationale Geschichte zusammen zu denken und überkreuzt zu betrachten“. Daher ist für ihn „die Genese der Umweltsicherheit in der internationalen Politik [...] die Geschichte der internationalen Umweltpolitik selbst“ (3). Deren Anfänge zeichnet er anhand der Debatten zur Umweltpolitik in den USA, der Bundesrepublik und Großbritannien nach. Zudem stellt der Autor die Diskussionen innerhalb der NATO, der Europäischen Gemeinschaften und der Vereinten Nationen dar. Zwar habe das Interesse an Umweltfragen bereits Mitte der 1960er‑Jahre eingesetzt, doch erst dramatische Verschmutzungen, wie etwa die Rheinvergiftung von 1969, hätten um 1970 eine „mentale Zäsur“ (75) hervorgerufen und zu der Erkenntnis geführt, dass es Zeit sei für politisches Handeln, Regierungen hätten begonnen, „staatliche ‚Gegenentwürfe zur Umweltangst‘“ (76) zu entwickeln. 1971 habe die Europäische Kommission dann mit ihren ersten Umweltmitteilungen die gemeinschaftliche Umweltdebatte eröffnet und mit dem Weltaktionsprogramm von 1973 „umweltpolitisches Neuland“ (276) betreten. Die Stockholmer Weltumweltkonferenz von 1972 habe in den nationalen Umweltadministrationen, bei der UNO und vielen NGOs eine „neuartige Sichtweise von Umwelt“ befördert. Erstmalig seien „die bestehenden Werte‑ und Normensysteme von internationaler Umweltkooperation für überholt erklärt […und] eine ‚internationale Kultur von Umweltsicherheit‘“ (233) entworfen worden. Seit Stockholm habe die internationale Umweltpolitik „eine sicherheits‑, stabilitäts‑ und friedensstiftende Tragweite“ (277) besessen. Einerseits habe sich diese Tendenz durch die Ölpreiskrise von 1973/74 verstärkt, denn „die Perzeption vom existenzgefährdenden ‚Ölschock‘ [habe] vielschichtige, realiter kaum zu begründende Sicherheitsbedenken“ gezeitigt. Doch andererseits „initiierte sie einen Rückzug von der Umweltpolitik, der den Wandel von der Umwelt‑ zur Energiesicherheit einläutete“ (340). Das Orientierungsmuster Umweltsicherheit habe zugunsten der Energiesicherheit an Bedeutung verloren, die Diskurse zur Umweltsicherheit hätten sich außerhalb der Politik auf andere Ebenen verlagert, berichtet Schulz‑Walden abschließend.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.454.32.3413.5 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Thorsten Schulz-Walden: Anfänge globaler Umweltpolitik. München: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36950-anfaenge-globaler-umweltpolitik_44879, veröffentlicht am 10.04.2014. Buch-Nr.: 44879 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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