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Minderheitenfragen in Ungarn und in den Nachbarländern im 20. und 21. Jahrhundert

Enikő Dácz (Hrsg.)

Minderheitenfragen in Ungarn und in den Nachbarländern im 20. und 21. Jahrhundert

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Andrássy Studien zur Europaforschung 8); 393 S.; brosch., 69,- €; ISBN 978-3-8487-0779-9
Fragen nach der rechtlichen Stellung und dem Schutz von Minderheiten gehören zu den zentralen Problemen der Geschichte und Gegenwart Europas. Besonders in Ostmitteleuropa, das viele multiethnische Regionen aufwies und aufweist, waren und sind sie von großer Bedeutung. Eine Tagung im Februar 2013 in Budapest widmete sich unter diesem Blickwinkel Ungarn und den umliegenden Ländern. Der zweisprachige Sammelband (deutsch/englisch) greift dabei die Perspektiven verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen auf und ermöglicht so einen mehrdimensionalen Blick auf die Themenstellung. Einleitend werden in zwei Beiträgen rechtliche Aspekte behandelt. Christoph Schnellbach zeigt auf, wie der Minderheitenschutz in Europa seit den 1990er‑Jahren „eine besondere horizontale und vertikale Dynamik entfaltet[e]“ (26), zugleich aber eher auf individual‑ als kollektivrechtlichen Zugängen beruht. Ein umfassender Abschnitt zu historischen Fragestellungen ist der Region Siebenbürgen und den Ungarndeutschen gewidmet. Die Herausgeberin Enikö Dacz analysiert die Rolle von Abgeordneten aus dem Kreis der Siebenbürger Sachsen im ungarischen Parlament und zeigt den starken Einfluss der Erwartungen von Angehörigen der Minderheit auf deren politische Arbeit. Sebastian Sparwasser beleuchtet das Schicksal ungarndeutscher Flüchtlinge, Vertriebener und Evakuierter in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR. Angesichts oft prekärer Lebensumstände kehrten einige Tausend Betroffene bald wieder in ihre Heimatorte zurück, obwohl dies erst zu Beginn der 1950er‑Jahre rechtlich auch ermöglicht wurde. Der abschließende dritte Abschnitt bezieht sich auf aktuelle Minderheitenproblematiken. Margit Feischmidt und Kristof Szombati beleuchten die Ereignisse in der ungarischen Ortschaft Gyöngyöspata im Jahr 2011, als unter Führung der Jobbik‑Partei die örtliche Roma‑Bevölkerung massiv bedroht wurde. Deutlich wird dabei unter anderem die fehlende Anwendung von Mitteln staatlicher und regionaler Politik, um bestehende gesellschaftliche Gegensätze zu bekämpfen und aufzulösen.
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.614.422.222.232.2634.1 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Enikő Dácz (Hrsg.): Minderheitenfragen in Ungarn und in den Nachbarländern im 20. und 21. Jahrhundert Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36938-minderheitenfragen-in-ungarn-und-in-den-nachbarlaendern-im-20-und-21-jahrhundert_45363, veröffentlicht am 03.04.2014. Buch-Nr.: 45363 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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