Portal für Politikwissenschaft

Die Angst vor dem Koreakrieg

Sascha Foerster

Die Angst vor dem Koreakrieg. Konrad Adenauer und die westdeutsche Bevölkerung 1950

Marburg: Tectum Verlag 2013; 181 S.; geb., 24,95 €; ISBN 978-3-8288-3213-8
Geschichtswiss. Magisterarbeit. – Welche Erkenntnisse lassen sich aus der Erforschung der Angst für die Erklärung historischer Ereignisse gewinnen? Sascha Foerster diskutiert diese eigentlich naheliegende, dennoch aber häufig ignorierte Frage mit Blick auf die Emotionen, die der Koreakrieg in der westdeutschen Gesellschaft und ihrem Kanzler Konrad Adenauer auslöste. Die erste Hälfte der Analyse ist dabei der Auslotung theoretischer Erklärungsansätze gewidmet, die für das Fallbeispiel hilfreich sein könnten. Zurückgewiesen wird die These, eine ganze Nation könne „eine spezifische und fast pathologisch hohe Ängstlichkeit“ aufweisen – der weiteren Untersuchung liegt also keine Diagnose der sprichwörtlichen „German Angst“ (70) zugrunde. Foerster fasst den Faktor Angst allgemeiner und orientiert sich eher an den Präzisierungen des US‑amerikanischen Politikwissenschaftlers Corey Robin. „Den ersten Modus der politischen Angst definiert er als Instrumentalisierung von Definitionen und Interpretationen der öffentlichen Angstobjekte. […] Der zweite Modus der politischen Angst findet innerhalb der Gesellschaft statt und gewinnt aus den Konflikten zwischen verschiedenen (sozialen, politischen oder wirtschaftlichen) Gruppen an Potenzial.“ (77) Auch diese Angst könne geschürt und manipuliert werden. Für die Betrachtung der emotionalen Wirkungen des Koreakriegs auf die westdeutsche Gesellschaft sind zudem spezifische historische Gegebenheiten zu beachten, wie Foerster ausführt: die noch nicht lange zurückliegende eigene Kriegserfahrung sowie der Kalte Krieg, der Deutschland und Korea zu geteilten Ländern gemacht hat. Der Autor erläutert außerdem, dass zu jener Zeit die (Kriegs‑ oder andere) Angst nicht als anhaltendes Trauma anerkannt wurde, sondern eher als Zeichen persönlicher Schwäche galt. Entsprechend findet er nur zurückhaltende Äußerungen des Kanzlers zu den eigenen Empfindungen. Offensichtlicher ist nach Foerster aber der politische Umgang mit der Angst der teilweise hysterisch reagierenden Bevölkerung: Adenauers Strategie sei keine reine „‚Politik der Angst‘“ gewesen, „sondern sie verbindet die Strategien des Angsttransfers, der Angststimulation und der Wertorientierung als Gegenmittel zur Angst“ (148) – um so die Angst strategisch kontrollieren und eindämmen zu können. Konkret habe der Kanzler die durch den Korea‑Krieg ausgelöste Angst auf eine „Russenangst“ (137) umgelenkt. Die Frage, ob die Bundesregierung damit die Angst mit Blick auf die von ihr angestrebte Wiederbewaffnung instrumentalisiert hat, kann Foerster im Rahmen dieser Arbeit aber explizit nicht beantworten.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3132.35 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Sascha Foerster: Die Angst vor dem Koreakrieg. Marburg: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36887-die-angst-vor-dem-koreakrieg_45179, veröffentlicht am 20.03.2014. Buch-Nr.: 45179 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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