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Die Revolution war für mich ein großes Abenteuer

Paul Mattick

Die Revolution war für mich ein großes Abenteuer. Hrsg., eingeleitet und kommentiert von Christoph Plutte und Marc Geoffroy

Münster: Unrast 2013 (Dissidenten der Arbeiterbewegung IV); 179 S.; 16,- €; ISBN 978-3-89771-520-2
Der rätekommunistische Theoretiker Paul Mattick – nicht zu verwechseln mit seinem Sohn, dem Philosophen und Ökonomen Paul Mattick jr. (siehe Buch‑Nr. 42103) – war, so legt es dieses Buch nahe, nicht nur einer der „Dissidenten der Arbeiterbewegung“ (siehe Reihentitel), sondern ebenso ein Dissident des normalen (Berufs‑)Alltags: In der biografischen Skizze in der Einleitung wie in dem langen Interview, das Michael Bruckmiller im Juli 1976 mit Mattick führte und dessen Hintergrund er im Anschluss näher erläutert, wird das bewegte Leben eines Unangepassten sichtbar. Mattick, der 1904 in Pommern geboren wurde und 1981 verstarb, begann in der Revolutionszeit nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sich als 14‑jähriger Lehrling bei Siemens in Berlin politisch zu engagieren und hat, wie er sagt, seine am linkesten Rand angesiedelte Position nie wieder verändert. Unbekümmert erzählt er von seinen verschiedenen Diebstählen, mit denen er in jungen Jahren überlebte und die Anfänge seiner publizistischen und politischen Tätigkeit selbst sponserte. Mattick emigrierte dann 1926 in die USA, arbeitete handwerklich und in Fabriken, war wie zuvor in Deutschland immer wieder arbeitslos und wollte vor allem eigentlich nur als politischer Schriftsteller wirken. In Chicago wurde er politisch und publizistisch aktiv, konnte aber wieder keine nennenswerten Erfolge erzielen. Nachdem die Zeitschrift, für die er arbeitete, eingestellt wurde, zog er in den 1940er‑Jahren nach New York. Die Rekapitulation der Biografie reicht in dem Interview, das den Hauptteil des Buches ausmacht, bis zu diesem Zeitpunkt. Bruckmiller und Mattick erörtern des Weiteren theoretische Prämissen und Probleme, wobei sich Mattick keinen Illusionen über die Chancen der Realisierung seiner rätekommunistischen Vorstellungen hingibt – die amerikanischen Arbeiter sind seiner Meinung nach „Arschlöcher“ (91), die nur daran interessiert seien, aus ihrer „beschränkte[n] Lebenszeit“ das Beste zu machen, „das ist der Grund des Reformismus“ (92). Diese Arroganz erklärt vielleicht zumindest teilweise, warum Mattick politisch keine nachhaltige Wirkung entfalten konnte. Aber die Herausgeber loben ihn dafür, in seinem 1969 erschienenen Hauptwerk „Marx and Keynes: The limits of the mixed economy“ „die Illusionen von einem krisenfreien, staatlich regulierten Kapitalismus“ zerstört zu haben. Eine größere Leserschaft habe er damit in den 1960er‑ und 1970er‑Jahren gefunden, „als die radikaleren Elemente der Studenten‑ und Arbeiterbewegung das Gedankengut des Rätekommunismus wiederentdeckten“ (13). – Aber das ist ja jetzt auch schon wieder lange her.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.462.32.3112.642.22 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Paul Mattick: Die Revolution war für mich ein großes Abenteuer. Münster: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36855-die-revolution-war-fuer-mich-ein-grosses-abenteuer_45140, veröffentlicht am 13.03.2014. Buch-Nr.: 45140 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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