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Der „Ressourcenfluch“ in Aserbaidschan und Turkmenistan und die Perspektiven von Effizienz- und Transparenzinitiativen

Hannes Meißner

Der „Ressourcenfluch“ in Aserbaidschan und Turkmenistan und die Perspektiven von Effizienz- und Transparenzinitiativen

Berlin: Lit 2012 (Demokratie und Entwicklung 66); XIV, 397 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-643-11905-6
Diss. Hamburg; Begutachtung: C. Jakobeit, M. Brzoska. – Grundsätzlich könnte das Vorhandensein von fossilen Ressourcen als Segen angesehen werden, weil mit ihrem Verkauf vielerlei Maßnahmen möglich wären, die der Wohlfahrt und Entwicklung des betreffenden Landes zugutekämen. Zahlreiche empirische Beispiele zeigten aber, dass eher von einem Fluch gesprochen werden müsse, weil viele ressourcenbesitzende Länder in autokratischen politischen Systemen verharrten und der überwiegende Teil der Bevölkerung vom durch die sogenannten Renten möglichen Wohlstand ausgeschlossen bleibe. Auch wenn dieser Befund in der Forschung unstrittig ist, wurden nach Ansicht des Autors für die Kaspische Region noch keine Untersuchungen vorgelegt, die einen hinreichend systematischen Bezugsrahmen entfalten und den genauen Kausalzusammenhang zwischen Ressourcen und sozioökonomischen Problemen herausgearbeitet haben. Hier setzt die Arbeit von Hannes Meißner an. Zum einen möchte er eine theoretische und methodische Referenzstudie zum kaspischen Ressourcenfluch liefern (Kapitel 3). Zum anderen werden die Kausalzusammenhänge sowie die Wirkungen und Perspektiven von Effizienz‑ und Transparenzinitiativen, die darauf abzielen, die staatlichen Funktionsdefizite zu verringern, anhand der Fallbeispiele Aserbaidschan und Turkmenistan qualitativ untersucht (Kapitel 4 und 5). Meißner arbeitet in seinem großen empirischen Teil neben vielen Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ländern auch erhebliche Unterschiede heraus, die vorrangig durch den ökonomischen Status quo zu Zeiten der Unabhängigkeit sowie durch das sowjetische und präsowjetische Vermächtnis erklärt werden. Wegen des begrenzten Umfangs soll hier exemplarisch ein wesentliches, von Meißner dargelegtes Kriterium für den in beiden Ländern vorhandenen, aber doch unterschiedlich ausgestalteten Ressourcenfluch erwähnt werden: Im Falle Aserbaidschans existiert ein aus Sowjetzeiten stammendes Netzwerk fort, das aus Gefolgsleuten, Familienangehörigen und engen Vertrauten besteht und das den Großteil der Renten für den privaten Konsum abschöpft. In Turkmenistan ist zwar auch eine Selbstbereicherung zu konstatieren, allerdings nicht durch ein klientelistisches Netzwerk, sondern fast ausschließlich durch den früheren Alleinherrscher Saparmyrat Ny ýazow.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.5 | 2.63 | 2.68 | 2.21 | 2.22 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Hannes Meißner: Der „Ressourcenfluch“ in Aserbaidschan und Turkmenistan und die Perspektiven von Effizienz- und Transparenzinitiativen Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36523-der-ressourcenfluch-in-aserbaidschan-und-turkmenistan-und-die-perspektiven-von-effizienz--und-transparenzinitiativen_44148, veröffentlicht am 19.12.2013. Buch-Nr.: 44148 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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