Portal für Politikwissenschaft

Schlaue Netze

Weert Canzler / Andreas Knie

Schlaue Netze. Wie die Energie- und Verkehrswende gelingt

München: oekom verlag 2013; 133 S.; 9,95 €; ISBN 978-3-86581-440-1
Weert Canzler und Andreas Knie plädieren für einen grundlegenden Umbau der Energie‑Infrastruktursysteme und ein neues Verständnis staatlicher Aufgaben. Der Begriff der „schlauen Netze“ stehe für eine dezentrale, eigenverantwortliche sowie intelligente, vernetzte und effiziente Energieversorgung. Gegenwärtig, so die beiden Sozialwissenschaftler, sehe die Energie‑Infrastruktur so aus, dass fossile oder atomare Kraftwerke die Grundlast tragen und kleinere, flexible Wasser‑ und Gaskraftwerke nur zu Spitzenlastzeiten zugeschaltet werden. Das Problem dabei sei, dass beim Hinzuschalten von erneuerbaren Energien das bisherige System anfällig werde und die Versorgungssicherheit in Gefahr gerate. Die Energiewende umfasst nach Auffassung der beiden Autoren nicht nur den Bereich der Stromerzeugung, sondern auch Wärme/Kühlung sowie den Verkehr. Insbesondere beim Verkehr bestehe noch ein großer Aufholbedarf, da in diesem Bereich der Anteil erneuerbarer Energien im Gegensatz zu Strom/Wärme minimal sei. Nicht nur der Ausstoß von Kohlendioxid, sondern auch die gesundheitsschädigenden Stickoxide und Rußpartikel erweisen sich als bisher ungelöste Probleme. Aus Sicht der Autoren lautet der Grundsatz der Energiewende: Je früher der Umstieg auf eine postfossile Ökonomie gelingt, desto geringer fallen die volkswirtschaftlichen Belastungen aus. Die Autoren stellen ausführlich die Ausgangslage dar, wonach fossile Energiegrundlasten bestehen und wenig progressive Verkehrskonzepte entwickelt werden. Begründet wird dies unter anderem damit, dass Forschungs‑ und Entwicklungsressourcen in die Optimierung der konventionellen automobilen Antriebstechniken, stetig steigende Fahrleistungen und eine Aufrüstung der Fahrzeuge gesteckt werden, statt auf technische Innovationen (insbesondere Elektromobilität) zu setzen oder ein verändertes Alltagsverhalten herbeizuführen. Gleichermaßen bedeutet der Ausbau „schlauer Netze“ nicht nur die Entwicklung neuer Technologien (wie Energiespeicher), sondern auch die Schaffung dezentraler Energieversorgungen, bei denen Vereine, Genossenschaften und einzelne Bürger die formalen Betreiber von Netzen (Konzessionsinhaber) wären. Dazu könnten (globale) Unternehmen als Kooperationspartner hinzugezogen werden. Die Autoren schließen das Buch mit der Skizzierung von vier konkreten Szenarien.
Oliver Trede (OT)
Dr. phil., Historiker/Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.343 Empfohlene Zitierweise: Oliver Trede, Rezension zu: Weert Canzler / Andreas Knie: Schlaue Netze. München: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36413-schlaue-netze_44514, veröffentlicht am 14.11.2013. Buch-Nr.: 44514 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...