Portal für Politikwissenschaft

Populismus – unvermeidbares Element der Demokratie?

Klaus-M. Kodalle / Johannes Achatz (Hrsg.)

Populismus – unvermeidbares Element der Demokratie?

Würzburg: Königshausen & Neumann 2012 (Kritisches Jahrbuch der Philosophie Beiheft 10/2012); 113 S.; brosch., 19,80 €; ISBN 978-3-8260-5095-4
In Kommentaren seriöser Medien und einer Vielzahl politikwissenschaftlicher Publikationen sind populistische Positionen und Bewegungen europaweite Phänomene, die in simplifizierender Weise vorrangig euroskeptische Stimmungen und Abwehrhaltungen gegenüber Zuwanderungen aufgreifen und mobilisieren. Parteien wie die österreichische FPÖ, die dänische Volkspartei, die italienische Lega Nord oder neuerdings die Alternative für Deutschland werden ihr zugerechnet. Allerdings ist die Rede über Populismus – wie Kodalle betont – aufgrund ihrer fast unbegrenzten Beliebigkeit belastet; durchgehend disqualifizierend und zugleich inflationär verwendet, wird das Prädikat populistisch nicht nur linken wie rechten Strömungen zugeschrieben, sondern auch Akteuren von Mehrheitsparteien. Um diese begriffliche Unschärfe geht es in den aus dem Thüringertag für Philosophie 2011 hervorgegangenen Texten, die ein interessantes Spektrum unterschiedlicher Konzeptualisierungen eröffnen. Zum einen lassen sich die Beiträge einer eher analytisch‑deskriptiven Perspektive zuordnen, in der rhetorische Strategien prominenter Akteure wie Haider, Schill, Fortuyn (Lothar Probst), die bisherige Erfolglosigkeit rechtspopulistischer Gruppierungen im deutschen Parteiensystem (Frank Decker) und mögliche Folgen des Populismus für die europäische Integration (Florian Hartleb) untersucht werden. Auf der anderen Seite stehen Aufsätze, die – in Anlehnung an diskursanalytische Konzeptionen – eine rationalistische Einengung des Politischen auf die Ebene sachlich fundierter Argumentationen kritisieren. In dieser Perspektive erscheint Populismus nicht mehr per se als defizitäres Phänomen, sondern vielmehr als ernst zu nehmender affektiver Modus der Formierung kollektiver Identitäten (Benjamin Seyd; Christiane Burmeister/Johannes Achatz).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.222.3312.22.252.3325.315.413.5 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Klaus-M. Kodalle / Johannes Achatz (Hrsg.): Populismus – unvermeidbares Element der Demokratie? Würzburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36192-populismus--unvermeidbares-element-der-demokratie_43696, veröffentlicht am 19.09.2013. Buch-Nr.: 43696 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...