Portal für Politikwissenschaft

Klientelismus als Inklusion

Manuel Paulus

Klientelismus als Inklusion. Ein Vergleich der Fälle Argentinien, Mexiko und Venezuela

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Studien zu Lateinamerika 23); 261 S.; brosch., 44,- €; ISBN 978-3-8487-0077-6
Diss. Rostock; Begutachtung: N. Werz, A. Boeckh. – Manuel Paulus geht der Frage nach, wie klientelistische Mechanismen in verschiedenen südamerikanischen Gesellschaften – Argentinien, Mexiko und Venezuela – funktionieren. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei in vergleichender Perspektive auf den unterschiedlichen Auswirkungen, die ein diversifiziertes oder ein monopolisiertes Parteiensystem für das Funktionieren klientelistischer Praktiken hervorbringt. Klientelismus wird von Paulus als umstrittener Begriff vorgestellt, dessen viele verschiedene Definitionen allerdings allesamt drei gemeinsame Aspekte beinhalten, die er in seine eigene Definition des Begriffes einfließen lässt: „Politischer Klientelismus ist ein soziales Phänomen, bei dem ein langfristig angelegter, freiwilliger, reziproker Austausch zwischen Partnern mit unterschiedlichem sozialen Status zu beiderseitigem Vorteil stattfindet.“ (28) Im Zuge einer detaillierten Aufarbeitung und Darstellung der politischen Kultur der Länder und angereichert durch eine qualitative Feldforschung kommt Paulus zu dem Schluss, dass sich die beiden Typen des hegemonialen und des kompetitiven Klientelismus in den untersuchten Ländern deutlich sowohl in ihrer Ausprägung als auch in ihrem Wandel abbilden lassen. Während Mexiko unter der jahrzehntelangen Herrschaft der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) einen hegemonialen Klientelismus ausgeprägt habe, der in der Folge von demokratischen Reformen in einen kompetitiven Klientelismus umgeschlagen sei, zeichneten sich Argentinien und Venezuela durch eine umgekehrte Entwicklung aus. Dort sei ein kompetitiver Klientelismus, basierend auf einem breiten Parteienwettbewerb, in einen hegemonialen Klientelismus umgeschlagen. Klientelismus als Mittel der Inklusion findet sich damit unabhängig von der jeweiligen parteipolitischen Konstellation, wobei letztlich – so die Einschätzung von Paulus – immer die Regierungspartei von diesem Austauschmechanismus profitiere.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.65 | 2.22 | 2.1 | 2.21 | 2.262 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Manuel Paulus: Klientelismus als Inklusion. Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36120-klientelismus-als-inklusion_44006, veröffentlicht am 29.08.2013. Buch-Nr.: 44006 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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