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Religiöses Friedensengagement in innerstaatlichen Gewaltkonflikten

Johannes Vüllers

Religiöses Friedensengagement in innerstaatlichen Gewaltkonflikten. Das Verhalten der Religionsgemeinschaften

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Religion – Konflikt – Frieden 7); 293 S.; brosch., 46,- €; ISBN 978-3-8487-0025-7
Diss. Tübingen; Begutachtung: A. Hasenclever, Th. Diez. – Die friedensstiftenden Seiten von Religionen geraten in medialen Berichten wie in wissenschaftlichen Untersuchungen häufig in den Hintergrund. Johannes Vüllers bearbeitet diesen vernachlässigten Forschungsbereich und fragt, warum es zum Friedensengagement von Religionsgemeinschaften in innerstaatlichen Gewaltkonflikten kommt. Im Gegensatz zu bisher vorgebrachten theologischen Erklärungen greift Vüllers auf ein theoretisches Modell zu, das Religionsgemeinschaften als rationale Akteure begreift. Danach wird deren Handeln von einem Kosten‑Nutzen‑Kalkül bestimmt, bei dem auch das Verhältnis zu den anderen beteiligten Akteuren einbezogen wird. Vüllers schließt daraus, dass Religionsgemeinschaften in Abhängigkeit von ihren Beziehungen zu den Konfliktparteien entscheiden, ob sie sich für den Frieden engagieren. Bestehe eine Nähe zur Regierung, so unterließen sie solch ein Engagement, da ihnen die bestehende politische Ordnung zum Vorteil sei. Wenn, so Vüllers, eine Regierung hingegen versuche, sich selbst eine religiöse Legitimation zu verleihen, entstehe eine Konkurrenzsituation, die zu einem Friedensengagement von Religionsgemeinschaften führen könne. Entsprechend angepasste Annahmen stellt Vüllers für die Beziehungen von Religionsgemeinschaften zu Rebellen als einer weiteren Konfliktpartei oder für die Beziehungen zu anderen Religionsgemeinschaften auf. Zur Überprüfen dieser Thesen führt er eine quantitative Untersuchung mit 65 Religionsgemeinschaften in 29 religiösen innerstaatlichen Gewaltkonflikten während des Zeitraumes von 1990 bis 2009 durch, gefolgt von einer genaueren Analyse von den zwölf Religionsgemeinschaften, die sich für den Frieden engagieren. Zur vertieften Erklärung wird zuletzt noch eine Einzelfallstudie von drei Religionsgemeinschaften in der Elfenbeinküste unternommen. Mit diesen empirisch aufwendigen Schritten belegt Vüllers am Ende seine theoretischen Annahmen und schließt zugleich andere Faktoren weitgehend aus. So sind etwa eine unabhängige Beziehung zu den Rebellen und eine ausgeprägte Konkurrenzsituation notwendige Bedingungen für ein Friedensengagement der Religionsgemeinschaften. Diese engagierten sich dagegen nicht, wenn keine Konkurrenzsituation vorliege und enge Beziehungen zu Rebellen und Regierung bestehen. Wie der Autor selbst anmerkt, bedarf es weiterer Studien, um das theoretische Modell noch besser einschätzen zu können.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 | 2.25 | 2.22 | 2.67 | 2.68 | 4.41 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Johannes Vüllers: Religiöses Friedensengagement in innerstaatlichen Gewaltkonflikten. Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36115-religioeses-friedensengagement-in-innerstaatlichen-gewaltkonflikten_44035, veröffentlicht am 29.08.2013. Buch-Nr.: 44035 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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