Portal für Politikwissenschaft

Die kognitive Dimension des Lobbyismus

Daniel Kitscha

Die kognitive Dimension des Lobbyismus. Eine Framing-Analyse europäischer Technologiepolitik

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Policy Analyse 3); 455 S.; brosch., 74,- €; ISBN 978-3-8487-0353-1
Diss. phil. Siegen; Begutachtung: C. Strünck. – Daniel Kitscha untersucht am Beispiel der Radiofrequenzpolitik „das Zusammenspiel gesellschaftlicher Interessenträger und politischer Entscheidungsträger“ im politischen System der EU. In den Mittelpunkt rückt er die „interpretative Erläuterung eines Politikvorhabens für einen breiteren Adressatenkreis“ (22). Er betont die „grundlegende kognitive Interdependenz“ (429) der Protagonisten; den Kommunikationskreislauf schildert er bezogen auf Lobbyisten wie folgt: Letztere bringen einen Sachverhalt mithilfe eines Politik‑Frames in das Politiksystem ein. Sie schätzen das Politikvorhaben sowie dessen Folgen ein und wägen die Interessen, die die Handlungsoptionen bestimmen, ab. Dabei gilt: „Für die Interessenvermittlung ist immer eine Kombination aus kognitiven und materiellen Ressourcen erforderlich“. Beim Verbreiten von Frames achten sie auf kohärente Aussagen. Frühzeitig verbreitete Anliegen können zur „Grundlage für die Informationssuche und Meinungsbildung der Politikdesigner in der EU“ (415) werden. Lobbyisten agieren „in ihrer Funktion als Informations‑ und Kontaktmakler als Katalysatoren für die Bildung von Interessen und damit auch für den Wettbewerb zwischen Interessenkoalitionen um die Verbreitung von Kognitionsvorlagen“ (416). Sie müssen die politischen Hintergründe und Motivationen der Politiker kennen und die bestehende Frame‑Hierarchie beachten. „Für die Vermittlung von Frame‑basierten Informationen an politische Akteure müssen die Botschaften auf deren institutionelle Rahmenbedingungen zugeschnitten werden“. Mittels PR‑Maßnahmen und Medienkampagnen kann ein positives Meinungsklima erzeugt werden, woraus gegebenenfalls Handlungsdruck für die Politik resultiert. Sonst ist eine langfristige Auseinandersetzung mit der Gegenseite, beispielsweise unter Investition in Expertise, notwendig. Kitscha gelangt zu folgendem Fazit: „Für die Vermittlung partikularer Interessen ist die argumentative Ausrichtung auf die etablierten Politik‑Frames eine Voraussetzung dafür, dass die politischen Botschaften ihre Adressaten erreichen“ (421). Die EU‑Kommission kann zwar mithilfe von Politik‑Frames die Deutungshoheit erringen, dabei ist sie jedoch auch immer auf den interdependenten Kommunikationsprozess der Interessenvermittlung in dem jeweiligen Politikfeld angewiesen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.4 | 3.5 | 3.1 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Daniel Kitscha: Die kognitive Dimension des Lobbyismus. Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36114-die-kognitive-dimension-des-lobbyismus_44036, veröffentlicht am 29.08.2013. Buch-Nr.: 44036 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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