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Wir sind die Medien

Marcus Michaelsen

Wir sind die Medien. Internet und politischer Wandel in Iran

Bielefeld: transcript Verlag 2013 (Kultur und soziale Praxis); 350 S.; 32,80 €; ISBN 978-3-8376-2311-6
Diss. Erfurt; Begutachtung: K. Hafez, H. Fürtig. – Kann das Internet einen politischen Wandel, gar die Transformation einer Diktatur herbeiführen? Welche Rolle können neue Medien im Prozess der Demokratisierung des Iran spielen? Der Autor stellt in seiner Analyse der politischen Transformation und Medien des Iran zunächst grundsätzlich fest, dass das Land „anhaltenden politischen und sozialen Veränderungen“ ausgesetzt ist. Das Potenzial für den weiteren Wandel sieht er bei den Fürsprechern eines „sich noch erfindenden Republikanismus iranisch‑islamischer Prägung“ (101). Die staatlichen Medien könnten dabei kaum als Instrumente des Wandels verstanden werden, denn der Revolutionsführer ernenne den „Leiter der Institution direkt“ (156). Die Aufgabe des staatlichen Senders sei es, „die Strategien der zionistischen Kapitalzentren mittels einer professionellen Programmgestaltung unschädlich zu machen“ (156). Die „Ausprägung der autoritären Kontrolle des Internets“ gerate nun jedoch in Konflikt mit „zivilgesellschaftlichen bzw. konfliktorientierten Akteuren“ (195). Zu ihnen gehörten sowohl Betreiber reformorientierter Websites als auch ausländische Nachrichtenagenturen. Michaelsen schreibt weiter: „Die Blogosphäre eröffnete vor allem Akteuren einer kritischen und engagierten Zivilgesellschaft Möglichkeiten, ihr Handeln in Auseinandersetzung mit dem autoritären Staat effektiver zu gestalten und neue Wege des Austauschs und des Zusammenhalts zu entwickeln.“ (280) Die Bedeutung des Internets für die Grüne Bewegung liegt daher nach Meinung des Autors „vor allem im Informations‑ und Meinungsaustausch unter den Mitstreitern der Bewegung, der über digitale Medien ermöglicht wurde“ (315). Die Onlinemedien seien für die „reform‑ und demokratieorientierten Akteure eine notwendige Plattform“ (321). Dennoch wirkten die „Repressionsbereitschaft und Institutionalisierung des autoritären Regimes“ (325) einem politischen Wandel entgegen. Der Prozess sei noch nicht abgeschlossen. Damit bleibe die Frage offen, wie sich in Zukunft das Internet auf die politische Transformation des Iran auswirken werde.
Wahied Wahdat-Hagh (WWH)
Dr., Dipl.-Soziologe und Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.63 | 2.22 | 2.23 | 2.24 Empfohlene Zitierweise: Wahied Wahdat-Hagh, Rezension zu: Marcus Michaelsen: Wir sind die Medien. Bielefeld: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36112-wir-sind-die-medien_44071, veröffentlicht am 29.08.2013. Buch-Nr.: 44071 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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