Portal für Politikwissenschaft

Gewalt gegen Frauen in Südostasien und China

Genia Findeisen / Kristina Großmann (Hrsg.)

Gewalt gegen Frauen in Südostasien und China. Rechtslage, Umgang, Lösungsansätze. Hrsg. für die Südostasien Informationsstelle

Berlin: regiospectra Verlag 2013; 244 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-940132-54-3
„Frauen sind Menschenrechtsverletzungen und vor allem Gewalt in besonderem Maß ausgesetzt – einfach als Folge der Tatsache, dass sie Frauen sind.“ (23) Einen konzisen Überblick zu dem weltweit auftretenden Problem der häuslichen Gewalt gegen Frauen bietet einführend Gunda Opfer. Sie schildert den Weg zu internationalen Schutzabkommen sowie die nationalen Hindernisse bei deren Umsetzung. „Alle Anstrengungen bringen ohnehin nur geringe Fortschritte, solange Frauen in einer Gesellschaft als minderwertig betrachtet werden. Man muss das Übel an der Wurzel angehen. […] Frauen sind im Hinblick auf Bildung, Zugang zu Gesundheitsdiensten, Teilhabe an der politischen Macht zu stärken.“ (33) Noch ist die Rolle der Frau in Südostasien sehr durch die patriarchalen und familienhierarchischen Strukturen definiert. Deutlich wird dies in dem interessanten Beitrag Rachmad Hidayats, der 16 javanische Männer zu ihrer Sicht auf häusliche Gewalt interviewte. Gewalt wird demzufolge nicht befürwortet, sei aber meistens vom Verhalten der Frau provoziert. Das Infragestellen männlicher Autorität lasse „männliche Gewalt entstehen“ (74). Respektvolles Verhalten einer ehrbaren Ehefrau beinhalte: „Treue und Hingabe, Vertrauen, Beachtung von Höflichkeitsregeln bei der Kommunikation, die Beachtung sowie die Unterwerfung unter die männliche Autorität.“ (75) Hidayat zeigt, wie wichtig es ist, auch Männer in den gesellschaftlichen Diskurs über häusliche Gewalt einzubeziehen. Traditionelle soziale Strukturen ändern sich nur langsam, wie auch der Beitrag von Phyu Phyu und Dagmar Buck belegt: Birma steht nach 50 Jahren Militärdiktatur am Anfang eines hoffnungsvollen Demokratisierungsprozesses. Allerdings ist das patriarchale System durch die militarisierte Gesellschaft sehr verfestigt, Armut und ethnische Vielfalt erschweren einen Wandel zusätzlich. Die Geschichte der jungen Buddhistin Cherry ist ein Beispiel für die alltägliche Gewalt gegen Frauen. Cherry begeht einen großen Tabubruch, als sie mit ihrem nicht geduldeten Freund ihre gewalttätige Familie und ihre Heimat verlässt. Doch ihre Hoffnung, an der Seite eines gebildeten Mannes ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, wird buchstäblich zerschlagen: Nach der Hochzeit wird sie vom Ehemann misshandelt und missbraucht. Ihre Strategie, damit umzugehen, um so irgendwann genug Kraft für ihren eigenen Weg aufbringen zu können, ist im ernüchternden Titel des Beitrags festgehalten: „Akzeptiere es lieber …“ (201).
Simone Winkens (SWI)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 2.68 | 2.22 | 2.27 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Genia Findeisen / Kristina Großmann (Hrsg.): Gewalt gegen Frauen in Südostasien und China. Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35998-gewalt-gegen-frauen-in-suedostasien-und-china_43759, veröffentlicht am 25.07.2013. Buch-Nr.: 43759 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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