Portal für Politikwissenschaft

Außen- und Sicherheitspolitik in Nordostasien

Thorsten Kim Schreiweis

Außen- und Sicherheitspolitik in Nordostasien. Herausforderungen und Perspektiven für die EU

Bonn: Bouvier Verlag 2011 (Forum Junge Politikwissenschaft 29); 323 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-416-03333-6
Nordostasien, das sind China, Japan, Taiwan und die beiden Koreas – wirtschaftliche Schwergewichte, bis auf Nordkorea. „Mit zunehmender wirtschaftlicher Verflechtung von Europa und Asien steigen für die Europäer die wirtschaftlichen und politischen Risiken, von interregionalen Problemen in Nordostasien betroffen zu werden.“ (5 f.) Die Region sei vor allem wirtschaftlich eng verflochten, politisch bestehe ausgeprägtes Misstrauen zwischen den Staaten: Neben ungeklärten Territorialfragen sorgten vor allem die Taiwanfrage und die nukleare Aufrüstung Nordkoreas für Konfliktpotenzial. Schreiweis will in diesem Kontext darstellen, welche sicherheitspolitischen Interessen die EU in Nordostasien im Analysezeitraum hatte und wie sie diese vertrat. Leider gibt er im Abschnitt Methodik nur einen inhaltlichen Überblick und beschreibt nicht, mit welcher empirischen Methode oder welcher Theorievorstellung er forscht. Der Verwaltungswissenschaftler skizziert erst die Grundlagen der Gemeinsamen Außen‑ und Sicherheitspolitik der EU (GASP) und beschreibt dann ausführlich die historische und aktuelle geopolitische Lage Nordostasiens. Erst im letzten Viertel des Buches behandelt er knapp die Konflikt‑ und Kooperationsfelder der europäisch‑nordostasiatischen Beziehungen und ihre Perspektiven. Demnach konzentriert sich die EU vor allem auf Appelle, Konflikte friedlich zu lösen und Spannungen zu vermeiden. Sie beteiligt sich an den UN‑Sanktionen gegen Nordkorea, leistet dem Land aber auch humanitäre Hilfe und unterstützt diplomatische Bemühungen um mehr regionale Stabilität. Trotz des seit dem Tian’anmen‑Massaker bestehenden Waffenembargos gegen China, hat die Beziehung zur aufstrebenden Weltmacht höchste Priorität. Taiwans Souveränität erkennt die EU folglich weiterhin nicht an. Das Verhältnis zu Japan und Südkorea ist sehr gut. Typisch für die Nordostasien‑Strategie sei, „dass die wirtschaftlichen Interessen über die sicherheitspolitischen Erwägungen dominieren“. Schreiweis formuliert anschaulich und verständlich. Die Analyse fällt aber etwas dünn aus: „Die Positionen der EU in Nordostasien sind widersprüchlich. […] Die EU sollte aktiver werden und ihre wirtschaftliche Stärke nutzen, um politischen Einfluss zu nehmen, wenn sie sich selbst als globale Macht ernst nehmen möchte.“ (284) Vom Verlag hätte man sich angesichts fehlender Satzteile und typografischer Mängel ein gründlicheres Lektorat gewünscht.
Wolfgang Denzler (WDE)
Diplom-Journalist, Student, Institut für Politikwissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 3.6 | 2.68 | 4.41 | 4.5 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Thorsten Kim Schreiweis: Außen- und Sicherheitspolitik in Nordostasien. Bonn: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35981-aussen--und-sicherheitspolitik-in-nordostasien_40192, veröffentlicht am 17.07.2013. Buch-Nr.: 40192 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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