Portal für Politikwissenschaft

Staatsräson?

Werner Sonne

Staatsräson? Wie Deutschland für Israels Sicherheit haftet

Berlin: Propyläen Verlag 2013; 250 S.; geb., 19,99 €; ISBN 978-3-549-07439-8
„Und so dreht sich alles im Kreis: Solidarität ja, aber auch die Hoffnung darauf, dass die von den Israelis nicht konkret eingefordert wird.“ (233) Zu diesem Fazit kommt der TV‑Journalist Werner Sonne bei seiner akribischen Suche nach dem Teil der deutschen Staatsräson, den Angela Merkel aus der historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels im März 2008 in der Knesset abgeleitet hat. Was aber bedeutet diese Selbstverpflichtung, für ein nicht der NATO angehörendes Land haften zu wollen, wenn man doch niemals um Hilfe gebeten werden möchte – weil man vielleicht weder auf Basis des Grundgesetzes noch mit einer parlamentarischen Mehrheit ausgestattet militärisch intervenieren könnte? Sonne recherchiert die Antworten auf diese Frage sowohl in der Beziehungsgeschichte beider Staaten als auch in Gesprächen mit Akteuren und Experten. Ihm gelingt es so, das aufschlussreiche Bild eines in mancher Hinsicht vielleicht doch überraschend engen Verhältnisses zu zeichnen. Es wird deutlich, dass sich die Bundesrepublik seit dem Luxemburger Abkommen von 1952 immer wieder als verantwortlich für Israel erwiesen hat – dies eben nicht nur mit Zahlungen an Holocaust‑Opfer, sondern vor allem mit geheimdienstlicher Unterstützung und Rüstungsexporten. Die Lieferung deutscher U‑Boote erweist sich als wichtiger Baustein in der Verteidigung der Atommacht Israel. Im Sinne einer gesamtdeutschen Geschichtsschreibung widmet Sonne auch der Haltung der DDR ein Kapitel; geprägt war es von einem staatlich verordneten Antisemitismus und der Weigerung, für die Schuld der Deutschen am Holocaust einzustehen. Dieser Abschnitt ist insofern nicht unwichtig, wird doch sichtbar, welche deutsche Politik gegenüber Israel auch denkbar war und praktiziert wurde. Vor dieser Kontrastfolie werden die Kontinuitäten der bundesdeutschen Unterstützung Israels umso deutlicher. In den Gesprächen Sonnes mit Politikern wie Verteidigungsminister Thomas de Maizière oder Frank‑Walter Steinmeier verlieren sie sich im Laufe des Buches immer erst dann wieder im Ungefähren, wenn es eben um die konkrete Frage eines militärischen Eingreifens im Konfliktfall geht – aber wie könnte es auch anders sein, als dass inständig nach wie vor auf eine politische Lösung des Nahostkonflikts einschließlich der Reibereien mit dem Iran gesetzt wird. Wie gesagt, man hofft.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.21 | 2.63 | 4.41 | 2.313 | 2.314 | 2.315 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Werner Sonne: Staatsräson? Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35873-staatsraeson_43745, veröffentlicht am 27.06.2013. Buch-Nr.: 43745 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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