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Perspektiven nachhaltiger Entwicklung – Theorien am Scheideweg

Judith C. Enders / Moritz Remig (Hrsg.)

Perspektiven nachhaltiger Entwicklung – Theorien am Scheideweg

Marburg: Metropolis-Verlag 2013 (Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Nachhaltigkeitsforschung 3); 258 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-89518-934-0
Beschränkte sich die Forschung zum Thema Nachhaltigkeit noch vor einigen Jahren auf vereinzelte und relativ uneinheitliche Beiträge, so lässt sich in jüngster Zeit eine zunehmende Entwicklung hin zu einer eigenen Disziplin beobachten. Dieser Prozess bringt allerdings nicht nur Vorteile mit sich. Denn Nachhaltigkeit, so Ulrich Grober in seinem Beitrag, sei „ein ganzheitlicher Entwurf […]. Er verbindet die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales organisch“ (24). Die disziplinäre Institutionalisierung eines Querschnittsthemas trägt aber immer auch das Risiko thematischer und methodischer Einschränkungen in sich. Auch angesichts dieser potenziellen Gefahr enthält der Sammelband, der die Ergebnisse eines Workshops am Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) dokumentiert, eine umfassende Bestandsaufnahme bisheriger theoretischer und methodischer Zugänge zum Thema. Die einzelnen Beiträge, die zahlreiche natur‑ und geisteswissenschaftliche Disziplinen abdecken, verbindet dabei der Fokus auf Fragen der notwendigen Inter‑ beziehungsweise Transdisziplinarität des Forschungsfeldes. Dabei sollte jedoch, wie Fred Luks in seinem Beitrag betont, das Augenmerk nicht ausschließlich auf Fragen der zukünftigen theoretischen Etablierung der Disziplin gelegt werden. In einem empirischen Feld, das derart eng mit Fragen der gegenwärtigen und zukünftigen Lebensführung verbunden und nicht selten von – politischem wie theoretischem – Populismus durchzogen sei, komme es gleichermaßen darauf an, „überzeugende Geschichten“ zu erzählen, die „an politische, wirtschaftliche und sonstige gesellschaftliche Praxen andocken können“ (130). Transdisziplinarität als „praktische Einheit des Wissens“ (213) steht laut Michael Weingarten im Fall der Nachhaltigkeitstheorie somit stärker als in vielen anderen Forschungsfeldern vor großen Herausforderungen. Nicht nur ist der permanente Dialog zwischen unterschiedlichen Themenbereichen und Theorien zu suchen, sondern es sind darüber hinaus praxis‑ und realitätsnahe Zugänge zu vermitteln, ohne Normativität und Populismus anheimzufallen. Die Beiträge dieses sehr lesenswerten Bandes bieten hierzu zahlreiche Perspektiven und Themen an, die den Leserinnen und Lesern eine vertiefte Reflexion darüber ermöglichen, in welche Richtung sich eine eigenständige Querschnittsdisziplin der Nachhaltigkeitsforschung entwickeln könnte und sollte.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 4.45 | 5.44 | 5.42 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Judith C. Enders / Moritz Remig (Hrsg.): Perspektiven nachhaltiger Entwicklung – Theorien am Scheideweg Marburg: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35740-perspektiven-nachhaltiger-entwicklung--theorien-am-scheideweg_43307, veröffentlicht am 19.06.2013. Buch-Nr.: 43307 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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