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Nationale Hochschulpolitik im Europäischen Hochschulraum

Christian Förster

Nationale Hochschulpolitik im Europäischen Hochschulraum. Studiengebühren und Hochschulgovernance in Deutschland, England und Österreich

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Wirtschafts- und Sozialpolitik 9); 264 S.; brosch., 44,- €; ISBN 978-3-8329-7598-2
Diss. Tübingen; Begutachtung: J. Schmid, K. Schubert. – Unter der Vielzahl an Studien zur Umsetzung des Bologna‑Prozesses finden sich wenige, die sich auf die Frage konzentrieren, inwieweit mit dieser Reform auch eine Konvergenz der nationalen Hochschulpolitiken einhergeht und welche Kausalmechanismen dafür verantwortlich sind. In seiner Dissertation, die im Promotionskolleg „International‑vergleichende Forschung zu Bildung und Bildungspolitik im Wohlfahrtsstaat“ der Universität Tübingen entstanden ist, geht Christian Förster dieser Frage nach Konvergenz beziehungsweise Divergenz nach. Als Beispiele dienen die Studiengebührenpolitik sowie die Umgestaltungen der „Strukturen der Hochschulgovernance“, untersucht werden die Länder Deutschland, England und Österreich. Diese Kombination aus einem „National Patterns Approach (NPA) mit einem Policy Sector Approach (PSA)“ (19) wird auf der empirischen Grundlage einer Dokumentenanalyse sowie knapp 30 Experteninterviews durchgeführt. Nach einer vorbildlichen Herleitung von Fragestellung und Hypothesen sowie einer stellenweise vielleicht etwas zu ausführlichen Beschreibung zum methodischen Vorgehen wendet sich Förster zunächst dem Untersuchungsgegenstand der Hochschulpolitik zu. Im Theorieteil stützt sich der Autor dann vor allem auf die Konvergenzforschung sowie einschlägige Ansätze zu Politikwandel und Policy‑Lernen, wobei er unter Bezugnahme auf Sabatier und Hall zwischen politischen Veränderungen unterschiedlicher Ordnungsgrade differenziert. Im Ergebnis kommt Förster zu dem Schluss, dass wohlfahrtstaatliche Ansätze wie das Regime‑Theorem „keine ubiquitäre Gültigkeit für hochschulpolitische Untersuchungsgegenstände“ (226) aufweisen, obwohl Bildungspolitik inzwischen allgemein mit Sozialpolitik assoziiert werde. Grund dafür sei der unterschiedliche Charakter der jeweiligen Policies, die – wie im Falle der Studiengebührenpolitik – redistributiven oder – wie im Falle der steuerungsorientierten Hochschulgovernance – regulativen Charakter aufweisen können. Hochschulpolitische Policies mit redistributiver Natur provozierten dabei meist parteipolitische Divergenzen und seien entsprechend „anfällig für Ressourcenneuzuteilungen“. Insgesamt könne deshalb – entgegen der von der EU‑Kommission formulierten Ziele – nicht davon ausgegangen werden, dass es zu „einem Spill‑Over von Bologna‑induzierter Konvergenz“ (228) der nationalen Hochschulpolitiken komme. Gerade mit Blick auf solche Ergebnisse sind qualitative Studien mit geringer Fallzahl, wie sie Förster vorgelegt hat, deshalb von besonderem Wert: Sie verweisen auf die Notwendigkeit, die gängigen europäischen Integrationstheorien immer wieder auf den Prüfstand zu stellen.
Henrik Scheller (HS)
Dr. phil., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Politik und Regieren in Deutschland und Europa, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.263 | 2.343 | 2.61 | 2.4 Empfohlene Zitierweise: Henrik Scheller, Rezension zu: Christian Förster: Nationale Hochschulpolitik im Europäischen Hochschulraum. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35684-nationale-hochschulpolitik-im-europaeischen-hochschulraum_43091, veröffentlicht am 28.02.2013. Buch-Nr.: 43091 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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