Portal für Politikwissenschaft

Korea

Martin Guan Djien Chan

Korea. Gegenwart und Zukunft eines geteilten Landes

Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2012; 208 S.; geb., 24,90 €; ISBN 978-3-534-25540-5
Die Situation von Nord‑ und Südkorea ist aufgrund kultureller, politischer und historischer Eigenarten komplex und oft nur schwer verständlich. Aus diesem Grund versucht Martin Guan Djien Chan die Interessenlage mit Beispielen und Vergleichen möglichst anschaulich zu erklären. Das politische System Nordkoreas, das am ehesten mit einem religiös geprägten „Vasallensystem“ (82) vergleichbar sei, wird aufgrund seiner institutionellen Einzigartigkeit mittels religionswissenschaftlicher und historischer Methoden untersucht. Dazu zieht Chan u. a. Parallelen zwischen der Erbfolge im antiken Rom und in Nordkorea. Interessant sind seine systematisch gegliederten Zukunftsszenarien bezüglich einer Wiedervereinigung Koreas, die in einem zweiten Schritt mit der Deutschen Einheit verglichen werden. Wegen ungleicher Ausgangsbedingungen, wie etwa der Bevölkerungsanzahl und der Ausgestaltung der politischen Systeme, könnten jedoch kaum Rückschlüsse von Deutschlands Geschichte auf Koreas Gegenwart und Zukunft gezogen werden. Der Buchtitel ist etwas ungünstig gewählt, weil der Autor keine reine Bestandsaufnahme der „Gegenwart und Zukunft“ vornimmt. Vielmehr lässt Chan auch der geschichtlichen Entwicklung Asiens eine große Bedeutung zukommen. An einigen Stellen neigt er dazu, Konstellationen entweder mit ironisch‑sarkastischem Unterton oder zu abstrakt und doppeldeutig zu analysieren. So wird die Situation Nordkoreas im 21. Jahrhundert mit der „Untergangs‑Psychose“ kurz vor der Kapitulation der Nationalsozialisten 1945 verglichen. Denn in beiden Situationen sei laut Chan „offensichtlich, dass der [Kalte] Krieg verloren ist“. Allerdings verfüge Nordkorea höchstwahrscheinlich über Atomwaffen, weshalb die Zeit bis zu einem Systemumsturz im „Gegensatz zu Hitler [...] für Kim Jong‑il und heute für Kim Jong‑un jedoch nicht in Stunden, sondern in Jahren [verläuft]. Ergo, wenn schon untergehen, dann richtig“ (11). Derlei Vergleiche, zu denen der Autor zudem eine Szene aus dem Film „Der Untergang“ heranzieht, lassen den Inhalt teilweise etwas unseriös erscheinen und trüben den Eindruck eines ansonsten lesenswerten populärwissenschaftlichen Buches.
Stefan Müller (SMÜ)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Trinity College Dublin.
Rubrizierung: 2.68 | 2.22 | 2.25 Empfohlene Zitierweise: Stefan Müller, Rezension zu: Martin Guan Djien Chan: Korea. Darmstadt: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35660-korea_43052, veröffentlicht am 07.03.2013. Buch-Nr.: 43052 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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